BOOOOOM! - macht es plötzlich. Ein Höllenschmerz durchzuckt mich. Panisch schreie ich auf.
Bin gerade 40 km/h schnell. Garstige Autofahrer zucken an mir vorbei - Rückenwind, war gerade beim Aufdrehen, Full Speed Ahead, das Liegerad liegt super, ich in ihm, gerade neues Ritzel montiert, ein nagelneuer Kettenspanner surrt unter mir und ich nutze eine kleine Passage Rückenwind vor Pinneberg, um wenigstens einmal die Speedmachine richtig auszufahren.
Und dann das-
SCHEISSE! - brülle ich.
Krampf?
Nein - besser.
Wespenstich. Mitten in den Kopf.
Sie hatte sich im Catlike Whisper verfangen. Kam direkt in eines der Lüftungslöcher geflogen, ich spüre ihren Aufprall, denke mir aber nichts. Ist schon oft passiert. Meist krabbeln die Viecher dann wieder raus.
Aber nicht heute. Maja sticht mir mitten durch die Gaze in den Kopf.
Und wie es mich durchzuckt! Ich verliere für eine Millisekunde die Orientierung, so sehr schmerzt es. Gerate auf den Schutt neben dem Asphalt - gefährlich, so einen Stunt bei 40 km/h mitten im fließenden Verkehr zu wagen.
Und kann erst nach 500 Metern anhalten. Verdammt tut das weh! Als ich den Helm abnehme, steckt sie immer noch in der Gaze. Ich flippe sie heraus - nein, zertreten tue ich sie nicht. Sie wird eh verenden. Oder wie war das?
Na. Jedenfalls prüfe ich das kleine Horn, das mir da auf dem Kopf wächst. Was? Man sieht gar nichts? Nee, ich auch nicht. Aber es juckt jetzt - knapp 2 Stunden nach dem Kopfschuss - immer noch.
Naja. Wenigstens ne schicke kleine Runde gedreht und kurz vor der Haustür noch einen Carbon-Radler abgefangen. Aber den Cobain, den will ich wenns geht nicht noch einmal geben.
Gefahren: 56,45 km in 2 Stunden mit 26,6 km/h Schnitt bei saumäßigem Gegenwind.
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17 April 2010
Kopfschuss.
Lars ....
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16 April 2010
Wieviel wiegt (m)ein Liegerad?
Nun wurde ich schon mehrere male gefragt, wieviel dieses Liegerad denn eigentlich so wiegt. Gerade, weil es ja nun auch zum Verkauf steht.
Die Kilogrammthematik flackert immer gern mal auf und ich kann mich noch gut an die 2009er-Diskussion bei uns erinnern, als wir alle unsere Zelte, Isomatten und Wechselschlüpper für die Sommersaison gewichtsoptimiert haben.
Da wurde gespart. Gemacht und getan. Titanbesteck bei dem Einen. Halbe Isomatten bei dem Anderen. Und ich habe mich dem ja auch nicht entziehen können - allerdings bin ich von Natur aus eher der schlanke Hirsch, weshalb es dann bei mir ruhig auch die ganze Isomatte sein durfte.
Da nun vor allem die Interessenten an meinem Liegerad aus der Rennradszene zu kommen scheinen, wo "Gramm oder Nichtgramm" genau DIE Frage ist, dachte ich mir, ich schreibe mal was dazu.
Also stelle ich mich auf die Waage und subtrahiere mich selbst vom Systemgewicht Speedmachine-Speedmaschinist.
Und da bleibt dann eine schöne runde 17,5 übig.
17 einhalb Kilo also. Zu viel?
Zugegeben - in Rennrad-Dimensionen wäre das katastrophal. Ich fürchte, nicht einmal die Teilnehmer der ersten Tour de France 1903 sind mit solch schweren Böcken an den Start gegangen. Aber hey - wir reden über ein Liegerad und nicht über Hightech-Carbonmonster.
Die Speedmachine ist werksseitig mit 14 Kilogramm angegeben. Das bezieht sich natürlich auf die Grundausstattung - und schon allein der "rote Reaktor", mein Rohloff Speedhub, erhöht dieses Gewicht um fast ein ganzes Kilogramm.
Letztlich, so ist meine Erfahrung mit diesem schönen Liegerad, ist auf einer Tour das Systemgewicht zwar schon interessant, aber 5 Kilogramm mehr oder weniger zu haben - das sind Unterschiede, die der Hobbyfahrer mit seinem 22er-Durchschnitt sowieso nicht bemerkt. Da kann man mit intelligent gepackten Seitentaschen schon mehr rausholen. Zur Not auch mit dem Titanbesteck.
Es sei denn, man fährt mehr als 8 %ige Steigungen hinauf - Allerdings, ab diesen Gradienten tut es dann eh weh, egal, wieviel das Bike am Ende wiegt.
Also kann ich zum Abschluss sagen: Jungs, wenn Ihr richtig speedy heizen wollt, dann ist die Speedmachine eh nix für Euch. Aber wenn Ihr große Touren mit hohen Durchschnitten (25+) und viel Komfort bei viel Gepäck machen wollt - there´s no other Bent like a Speedmachine.
P.S. - Ich könnte ruhig ein bisschen zunehmen.
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Lars ....
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13 April 2010
The Baron of Copenhagen
Am Wochenende war es mal wieder soweit. Leider ohne Liegerad, dafür aber mit meiner lieben Mauz. Ein Wochenende in Kopenhagen. Eine Stadt, die sich immer wieder lohnt.
Heimat von Kildemoes, vom kostenlosen Cykel und den leckeren Pölser-Hotdogs. Ich kenne Kopenhagen schon, kam unter anderem bei meinem Schweden-Trip hier durch. Aber es lohnt sich immer wieder - vor allem im Hafen kennt der Baudrang der Dänen scheinbar keine Grenzen.
Ich liebe die Atmosphäre hier - vor allem am Nyhavn - die irgendwo zwischen Amsterdam, Hamburg und der Hauptstadt eines Roboterplaneten liegt. Dänen, so meine ich, haben so eine liebenswürdig ulkige Art. Ich mag das. Schräg, irgendwie wie funkferngesteuert. Aber sehr liebenswert.
Zudem - und hier wirds zweirädrig - wollte ich mir gern einmal das berühmte kostenlose Fahrradverleihsystem anschauen, nachdem ich ja schon so begeistert von Hamburgs handygesteuertem bin.
Und so entdecke ich mit der Mauz in einem kleinen, keine 10 Kilometer langen Trip auf einem der 20-Kronen-Pfandräder (kein Licht, keine Bremse, kein nichts) vor allem Holmen und Christiania. Fühle mich dabei auf jedem einzelnen Rad-Meter in der Stadt sicher - breite Radwege und eine allgemeine Akzeptanz des Radfahrers seitens der Autobesitzer (und nicht zuletzt die Massen an Radfahrern) schaffen eine Pro-Rad-Atmosphäre. Man kann entspannt selbst auf den großen Hauptverkehrsstraßen fahren.
Dass es ab und zu über grobes, historisches Kopfsteinpflaster geht, stört bei den ungefederten, rudimentären Rädern nur kaum - eher noch der fiese Gegenwind, der scharf und stark weht. Eine Liegerad-Tour an diesem sonst grandiosen Wochenende wäre wieder in einen ausgewachsenen Luftkampf ausgeartet, fürchte ich.
Aber zurück aufs Pfandrad: Leider, so wird mir erzählt, wird das System wohl demnächst eingestampft. Aber sicher lassen sich die Kopenhagener da was einfallen - schließlich wollen sie ja Welthauptstadt des Rades bleiben.
Und am Samstagnachmittag treffe ich ihn dann.
Wir verabreden uns in einem Kaffee. Seine tolle Frau Ilse ist mit dabei und so sind wir ein schönes Vierergespann. Wir sitzen und schnacken. Zu meinem (nicht sehr tief empfundenen) Bedauern den Frauen gegenüber ... meist über Liegeräder.
Denn Anders ist der Baron von Kopenhagen.
Über Twitter kennen gelernt war ich interessiert daran, aus erster Hand etwas über den Optima Baron zu hören. Er erzählt von seinen BikeToWorks - täglich fast 2 Stunden pro Tour, knapp 40 Kilometer vom Norden Kopenhagens in die Stadt.
Wow, 80 km täglich. Das ist nicht übel, denke ich mir.
Anders ist Anwalt - und so sendet er mir Pix von dem Baron und sich in Arbeitskleidung. Stylish, wie der Rest der Dänen, denke ich mir. Nicht umsonst ist dänisches Design so beliebt bei uns - und im Zweireiher Lowracer fahren. Das hat nun wirklich Stil ...
... und vielleicht eine Idee, wie wir hier in Deutschland das Birkenstock-Image der Liegeräder loswerden können. Vielleicht organisiere ich mal eine Gentlemen-Ausfahrt: Teilnahme in Smoking oder Frack wäre dann Pflicht.
Anyway. Wir verabschieden uns von Anders, genießen noch einen wunderbaren Abend in einer Brauerei, entdecken am Sonntag Vormittag das schwedische Malmö via Öresund-Brücke und sind spät Abends mit dem ICE wieder in Hamburg.
Ein toller Trip.
Ein tolles Wochenende.
Und eine schöne Audienz beim Baron von Kopenhagen - demnächst hoffentlich mal auf einer gemeinsamen Liegerad-Ausfahrt.
Keep it bent!
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Lars ....
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12 April 2010
Eine Woche Speedmachine
"Das mache ich gerade zum ersten ... und zum letzten Mal!!!", schnaufe ich es wütend heraus, als ich mein neues Liegerad nach der ersten Fahrt (vom Liegeradstudio in meine Wohnung) endlich abstellen kann. Zweites Geschoss nach 15 Kilometern. Ohne Klickpedale.Nein, das ist alles andere als Pinky-Barbie-Scheiß - das ist harte Arbeit!
Bin hinter Lars hergefahren. Getreten. Getreten. Immer wieder getreten. Und gelitten: 15 Kilometer ohne Klickschuhe. 15 Kilometer Hölle.
Durch eine dunkle, durch eine volle Stadt.
Rush-Hour, alle wollen nach Hause. Adrenaline-Rush in meinen Arterien. Ich fliege durch die Dunkelheit. Wind im Haar, wow!
"21 km/h", ruft Lars.
Ah. Naja ...
Ich wusste, dass meine Beine untrainiert sind. Dass sie aber SO untrainiert sind? Jetzt sitze ich im Flur und sehe Sterne. Pudding im Schenkel. Nein, eigentlich nicht mal mehr das. Aber von vorn.
Montag war es soweit. Endlich bekomme ich meine Speedmachine. Pink sollte sie werden, logisch - ich bin ein Mädchen. Im Liegeradstudio ist es Liebe auf den ersten Blick. Ein Liegerad in Pink, gefahren von einer Frau – die Aufmerksamkeit der Auto- und Radfahrer dürfte mir schon ohne jegliche Kurbeldrehung sicher sein. Also Helm auf und rein ins Abenteuer.
Ein bisschen zickig sind sie, meine Shimano-SPD-Schuhe. Leider die etwas klobigere MTB-Version, denn die Japaner haben leider keine Touringschuhe in Mädchengrößen. Also gehts in den Lauf-Asics los.
Die ersten Kilometer rollen dann auch ganz entspannt. Lars ist natürlich Lichtjahre schneller, aber wenigstens komme ich mit allen Schalt- und Kurvenmanövern so einigermaßen zurecht. Ich freue mich, kann auch mal rollen lassen, mich umschauen: Da grüßt mich Hamburg mit einer unbezahlbar herrlichen Sicht auf die abendliche Binnenalster, lichterloh. Dann eine klare Salzluft von der Elbe. Beste Laune. Ich bin voller Endorphin.
Pink macht süchtig.
Als ich in viel zu hohen Gängen anfahre und auf den Fahrspuren der Straßen herumeiere, erträgt es die Gattung "gestresster Autofahrer nach Feierabend" mit Geduld. Sie scheinen zu ahnen: Die macht das hier noch nicht so lange. Lars ist natürlich immer 200 Meter weiter weg, bremst, fährt langsam. Und ich kämpfe ab und zu mit der Schaltung. Links für die Blätter vorne, rechts für hinten? Oder doch anders herum? Drehe ich mit Fahrtrichtung für ... Hochschalten oder ... doch runter?
Meine Beine sind quackig wie zwei Zitteraale - sie oben auf den Pedalen zu halten ist Schwerstarbeit.
Nach einigen Kilometern; eine Verkehrsinsel; eine Ampel springt auf Rot. So überraschend wie Weihnachten am 24. Dezember. Eigentlich müsste ich nur Bremsen und den Fuß herunter nehmen. Aber diesen Reflex gibt es bei mir noch nicht. Gehirn bleibt aus. Grauzone. Nichts passiert.
Zeitlupe: Ich kippe einfach zur Seite. Ellenbogen aufgekratzt und Finger geprellt (das merke ich aber erst am nächsten Tag). Liegeräder haben also nicht Vorfahrt. Hätte ich mir denken können.
Drüben lächelt Lars: „Da musst Du durch, das passiert jedem mal“, ruft er.
"Jaja“, denke ich und versuche mich vom Rad zu befreien und aufzustehen. Peinlich. In der Mitte zwischen den Fahrspuren. Alle Welt sieht mich. Crash in Pink. Aber zum Heulen bleibt keine Zeit.
Die Tret-Lok Lars zieht wieder an und ich kann nicht anders als weiter kurbeln. Auch wenn meine Beine nach einem weiteren Kilometer fast schon taub sind.
Pinki macht mir klar, dass man sich eben nicht einfach nur reinlegen kann und gut. Denken muss man schon auch. Recht hat sie. Denken! Pinki und Brain eben. Nicht Pinki und ... Dödel. Irgendwann, es ist 21:30 Uhr, sitze ich in meinem Flur. Ein Haufen Pudding.
Ich fummle den Bike-Computer ans Rad. Anbauen ist kein Problem. Nur das Teil richtig herum an den Lenker zu bekommen, das schaffe ich irgendwie nicht mehr. Wer lesen kann, ist eben klar im Vorteil. Mein Brain ist aber aus. Overdose.
Ich übe noch eine Runde Ein- und Ausklicken, mache den viel zu großen, viel zu hässlichen Aufkleber vom Hauptholm ab und bin geschafft für heute. Erster Tag mit Liegerad. Erster Tag mit der Speedmachine.
Dann ab in die Falle. Speedträume träumen.
6 Stunden später geht es wieder los. Ich bin bereit zur ersten Fahrt in die Agentur. Alleine. Mit den Klickschuhen. Die Stadt erwacht, ich fahre früh los - wer weiß, wann ich ankomme ...
Unter mir die Radical-Taschen voller Wechselklamotten. In Radsachen kann ich in der Agentur nicht auftauchen; einmal komplett umziehen ist also angesagt – so viel Mädchen muss sein.
Die Luft ist herrlich und die Fahrt stressfreier als gedacht. Das Klicken klappt ziemlich gut und nach einer guten halben Stunde steht Pinki – so taufe ich mein Liegerad – im Agenturkeller. Mission erfüllt, Radklamotten aus und umgezogen – Lars schielt um die Ecke, er kommt gerade von seinem BikeToWork an. Ich bin beim Umziehen.
"Ooops, Sorry," ruft er. Und wird fast genauso Pink im Gesicht, wie die Speedmachine neben mir.
Gründonnerstag wage ich mich das erste Mal in den Stadtpark. Der aufgeweichte Boden und die vielen Pfützen und Schlaglöcher würden ein perfektes Handling-Training sein. Tadaaaa, ich werde sicherer, rede ich mir ein: Langsam fahre ich mit dem Rad und nicht das Rad mit mir.
Als 1.70 m große Dame verschwindet man schon eher in der Maschine. Wird von ihr eingesogen. Zumal meine 55 Kilo nicht wirklich Druck in den Sitz bringen.
Während der Slalomfahrt durch den Matsch wird mir klar: Der Ausleger muss weiter rein, Finetuning ist angesagt. Bei jedem Tritt rutsche ich im Sitz runter; egal wie steil oder flach ich ihn stelle. Da muss ich also noch mal ran.
Karfreitag: Die Sonne scheint, es sind 8 Grad, kalt, fröstelig, aber alles in mir schreit nach einer Ausfahrt. Einmal quer durch die Stadt zu einem Freund.
Schon beim Losfahren merke ich: Das wird heute nichts. Ständig genervte Jogger und entspannte Familien, glotzende Touristen und ignorante Radfahrer. Hamburg halt. Aha, DAS meint Ihr also immer ...
Permanent muss ich anhalten, schlängeln, klingeln. Nach einigen Minuten bin ich entnervt. So sicher bin ich dann doch noch nicht, als dass ich durch unberechenbare Menschenmassen düsen könnte. Und auf der Straße zu fahren, das will ich mir auch noch nicht antun.
Irgendwo an der Rothenbaumchausse legt es mich dann wieder hin. Ein Kind springt mir vor das Rad. Ich kann zwar noch bremsen, aber – Klassiker – vergesse das Ausklicken. Wie ein Käfer also einmal mehr auf der Seite
„Mama, warum ist die Frau hingefallen?“ Schnauze, Blag!
Immerhin hilft mir ein Tipp von Lars: Nach einem Crash erst allein aufstehen, dann das Rad aufheben. Beides zugleich geht nicht.
Irgendwann komme ich endlich an. 11 Kilometer stehen auf dem Bike-Computer. Ah, superb! Der Hinterreifen ist platt. Irgendwo auf den letzten Metern habe ich mir anscheinend etwas eingefahren.
Oh man, stöhne ich, lasse die Taschen bei Freunden und schiebe Pinki mit angehobenem Hinterrad zur Bahn. Aber das wird schon – wer sein Rad liebt, der trägt es eben: So habe ich wenigstens noch schönes kleines Workout für meine Arme gehabt.
Ach ja, und zur Feier des Tages war dann auch noch meine Nahverkehrs-Abokarte abgelaufen, wie der Kontrolleur feststellt. Herzlichen Glückwunsch, Frau Pinki. Neben der kompletten Aufmerksamkeit der Fahrgäste ("Können Sie bitte etwas mehr Platz machen mit ihrem ... komischen Ding da!") stehe ich am Bahnsteig in einem Pulk Ticketchecker, die alle mein Rad bestaunen, während ihr Anführer den Strafzettel schreibt.
Dumme-Sprüche-Favorit: "Ey, Du Lila-Schwuchtel!"
Mmh, das ist P-I-N-K, Herr Maulwurf.
Gefahren: Knapp 20 km mit einem 14er Schnitt.
P.S. - Sarah, diese Grafik kannst Du Dir einfach mehrmals ausdrucken und immer griffbereit haben. Das kannst Du dann den etwas begrenzten Autofahrern geben. Am besten, die kleben das an die Rückseite (also die nicht-silbrige) der Fetenhits-CD, die am Rückspiegel hängt (gegen Blitzer). Das Ganze gibts dann demnächst noch für Grün & Rot (hilft dann den Jungs, um mit der Reizüberflutung moderner Ampelanlagen klarzukommen, bei Wahlen und ... ach, nee, die sollen lieber nicht wählen gehen) und in Level 2 dann auch zusätzlich noch mit Gelb (die Farbe braucht man an einer Ampel zwar nicht wirklich, hilft aber guten von bösem Schnee zu unterscheiden).
:o)
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Lars ....
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08 April 2010
SKS Wese vs. Lezyne Pressure Drive M
Drei Tage stand es nun so Mitleid erregend bei mir im Wohnzimmer herum, das schicke Liegerad. Drei Tage nicht Fahren können: Zumal gestern in Hamburg einfach das perfekte Liegeradwetter war. Wie ich hörte, tummelten sich einige Rennradler auf den Straßen, die man perfekt hätte jagen können.
Nein, aber die Speedmachine hatte einen Platten am Hinterrad. An sich nichts Ungewöhnliches - bei fast 18.000 Kilometern Laufleistung erst die dritte Punktierung und dabei das erste Mal hinten. Ich finde, die Schwalbe Supreme Mäntel machen ihre Sache gut.
Genervt hat etwas anders.
Die Pumpe.
Ich nutze seit meinem Speedmachine-Kauf die SKS Wese. Immerhin gibt Steffen Wesenmann, ein Hamburger Landsmann, diesem Produkt seinen Namen und auch die einschlägigen Zeitschriften testen die Wese sehr gut.
Tja. Nun pumpe ich also mein neues Hinterrad auf, als mir auf einmal das ganze Teil in der Hand ... explodiert. PADAUZ!
Es reißt förmlich den Ventilkopf ab, der Pumpkolben schießt mir in Richtung Bauch. Aus.
Ich beschaue mir das Desaster und muss doch schon staunen - offensichtlich hat SKS hier den Kopf nur mit einer kleinen dünnen Schicht Klebstoff am Alu-Kolben befestigt.
Klar, dass sowas nicht besonders haltbar ist. Mit steigenden Bar schon gar nicht.
Ein kleines Gewinde würde hier schon helfen. Und definitiv mehr Kleber. Also - SKS, da habt Ihr noch was zu verbessern. Mein Vertrauen als Käufer ist erstmal dahin. Denn die SKS Wese gibt es auch als "Carbon"-Ausführung. Teurer. Auch "sehr gut" getestet.
Aber den Kauf spare ich mir.
Statt dessen vertraue ich meinem Tour-Kollegen Klaus. Er schwört auf Lezyne.
Heute liefert Bike24 das gute Stück. Passend zu Nabe und Edelux bei mir natürlich in Rot. Schickes Teil.
Gleich ausgebaut und - flux ist das Rad aufgepumpt. Robust fühlt sie sich an, die neue Pumpe, ist dabei leicht und sogar noch kleiner als die Wese.
Der Clou ist, dass sich im Inneren der Pumpe ein kleiner Schlauch befindet. Mittels Adapter kann ich diesen fest mit dem Ventil verschauben und bequem lospumpen.
Großartige Idee, sowas vom Automobil auch aufs Fahrrad zu übertragen. Die Pumpleistung ist in der Tat beeindruckend und von diesem Komfort bin ich begeistert - toller Tipp, Klaus!
Das Schöne an diesem Schlauchsystem ist, dass ich nun nicht mehr mit Daumen den Mantel festhalten muss, sondern mit beiden Händen mich voll aufs Pumpen konzentrieren kann. Haben die Jungs ein Patent da drauf? Wenn nein, wäre es mal an der Zeit.
Ein Kauf, den ich nur weiter empfehlen kann - 30 €, die gut angelegt sind.
Und ist die Pumperei beendet, schraubt man den Schlauch einfach ab und schiebt in hinten in das hohle Pleuel. Kurz verschraubt, mit einem Gummi gesichert - Genial!
Ich mag sie, die neue Lezyne Pressure Drive M.
Aber, um ehrlich zu sein, ich hoffe, dass ich das schicke neue Teil nun nach seiner Premiere nicht mehr so oft benutzen muss. Der geniale Gummischlauch soll mal schön lange in seinem Pleuel-Heimchen bleiben.
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Lars ....
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07 April 2010
HP Velotechnik Speedmachine - zu verkaufen!
Das gibts doch nicht!?! Doch gibts - und alle, die dachten, es wäre ein verspäteter Aprilscherz, diese Anzeige auf Liegfiets.net (nachdem ich ja kläglich auf Ollis Superscherz reingefallen war), haben sich leider getäuscht: Ja, es stimmt, ich verkaufe meine Speedmachine.
Ja, ich habe das gute Stück ja nun über den Winter (vor allem finanziell) aufwändig renoviert, neu pulvern und mit allerlei Genialem ausrüsten lassen, für teures Geld extra Aufkleber (mit dem Segen aus Italien) anfertigen lassen und eine wunderschöne, einzigartige, superschicke Bianchi-Version des Liegerades von HP Velotechnik auf die Beine gestellt. Ein Fingerleck. Ein Superschmeck.
Und nun verkaufen?
Ja, sagt da der Speedmaschinist. Und hier ist sie - ein schickes Ding, fürwahr!
Wenn jemand von Euch Interesse hat, oder jemanden kennt, der eine Speedmachine kaufen mag, hier die Daten des Schmuckstücks:
HP Velotechnik Speedmachine
- Baujahr 2008
- 17.545 km gelaufen
- Scheckheftgepflegt durch das Liegeradstudio Hamburg (alle vorgeschriebenen Wartungsintervalle im Buch gepflegt)
- Dezember bis Februar grundüberholt
- Schaltung Rohloff Speedhub (rot eloxiert)
- Bremsen Magura Louise (hydraulisch)
- Schmidt SON-Nabendynamo (rot eloxiert)
- Frontlicht Schmidt Edelux (rot eloxiert)
- Hecklicht Supernova E3 Taillight
- Shimano 105 (2009) Kurbelsatz (weiß gepulvert)
- XLC Rennradpedale (Shimano SPD)
- Felgen weiß gepulvert, Bereifung Schwalbe Marathon Supreme
- Sitz BodyLink mit Airflow-Auflage
- Tiller in spezieller "Machinegun"-Konfiguration
- Spezialfarbe Bianchi Celeste und Weiß (Rahmen, Tiller und Gepäckträger gepulvert)
Laut Preisliste von HP Velotechnik würde der Neuaufbau mit diesen Konfigurationen einen Neupreis von 4.632 € ergeben - hinzu käme noch die Edelux (130 €) und das E3 Taillight (40 €).
Rechnen wir nun das komplette Neupulvern sowie die sündhaft teuren Aufkleber "Edizione Bianchi" plus Logo (von denen der Käufer noch 40 Stck. bekommen wird) drauf, addierten sich noch einmal 500 € hinzu.Was einen Gesamt-Neupreis von 5.300 € macht.
Oha.
Ich würde meine Speedmachine für 3,500 € verkaufen - das sind 1.800 € weniger als der Neupreis, angesichts der Laufleistung finde ich das ein sehr faires Angebot.
Also, wo sind die Bianchi-Fans unter Euch, die rückenschonend rasante Touren fahren möchten? Die mit einem der besten Touren-Liegeräder, die ich kenne, liegend die Welt entdecken wollen? Wo sind die, die die Adventures dieser Speedmachine weiterschreiben möchten?
Wer Interesse hat - gern bitte melden.
Wer einen kennt, der Interesse hat - gern bitte weiterempfehlen.
So. Und ich gehe jetzt ins Wohnzimmer, da steht sie nämlich. Und dann versuche ich, ihr das ganz schonend beizubringen ...
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Lars ....
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04 April 2010
The Windstopper
"Windstopper" steht da stolz wie Oskar auf dem Kragen von Klaus´ Jacke - aber so richtig geholfen hat das Zauberzeichen uns nicht. Sowohl, was die eigentliche Winddichtheit des Kleidungsstückes angeht, als auch ... naja, sagen wir, ich hätte mir magische Kräfte angesichts der Großwetterlage erhofft. Aber den Wind stoppen, das konnte es nicht.
Was als lockere 4-Tages Ostertour von Hamburg nach Berlin geplant war - 450 km zum Einrollen und Einstimmen auf eine spannende Liegeradsaison 2010 - endet recht kläglich. Aber ich sollte von vorn beginnen ...
Es ist Karfreitag, 6 Uhr, und ich frage mich mal wieder, was es ist, das mich an einem freien Tag nach einer harten Woche in der Agentur statt des verdienten Rumlümmelns und Ausschlafens im Bett aufstehen lässt. Ah, klar: Natur, frische Luft, Geschwindigkeit - der Geruch von Freiheit, mein tolles Trikot, die sexy Radhose, eine tiefe Speedmachine und der Jieper nach Kilometern im Draußen, auf dem Asphalt.
Wir sind in Büchen verabredet, etwa 60 km von meiner Haustür entfernt. Klaus, der mit IC anreist, will sich den Stadtverkehr Hamburgs ersparen, ich mich auch, also steige ich in den Regional-Express nach Rostock, der - was anzunehmen war - proppevoll ist. Zumindest, was die Menschenabteile angeht.
Das Radabteil habe ich für mich allein. Nanu? Wo sind denn all die Osterradler? Keine Baumarkt-Rallaye? Keine Vati-bringt-dem-Justin-am-Wochenende-mal-das-Radfahren-bei? Nein? Ah, die haben wohl alle dem Wetterbericht geglaubt: Denn der verspricht für heute noch gutes Wetter, morgen soll es dann nur regnen, Sonntag dieser dann in Schauer übergehen, die sich am Montag weitgehend verziehen sollen. Also kein Radtourenwetter. Zumindest nicht mit Baumarkträdern. Einen Speedmaschinisten kann das nicht abturnen. Okay, grinse ich, dann also mehr Platz für mich.
Das haben sich dann wohl auch die Fahrgäste gedacht, und ehe ich es mich versehe, sitze ich eingezwängt zwischen Schönes Wochenende-Jugendlichen und Familien ohne Auto. Ein dickes Mädchen, das sich mit seiner dicken Mutti die Ohrhörer teilt, starrt mich die Fahrt über verliebt an - Lady Gaga johlt hörbar durchs Abteil. Ich lenke mich ab, indem ich die 40 Minuten Fahrtzeit nach Büchen zähle.
Dort auf dem Bahnhof erwacht - es ist 9 Uhr - ein Jugendlicher auf einer Wartehallenbank, völlig betrunken, und fragt eine Dame, wo er hier denn um Himmels Willen sei. "Büchen", antwortet die. "Wozurhölleistdenn ... DAS???" - desorientiert, Filmriss: Junge, hör mit dem Flatrategesaufe auf!
Eine halbe Stunde später steigt Klaus völlig genervt aus seinem überfüllten IC aus, der zweitausend Urlaubshungrige nach Westerland karrt. Wir machen das Tourenstartfoto - es ist bitterkalt, aber an einem makellosen Himmel steht eine gut gelaunte Sonne.
Wir lassen es langsam angehen: Mir hat auf den 13 km heute morgen zum Hamburger Hauptbahnhof das rechte Knie Probleme gemacht. Klaus meint, er sei auch noch nicht voll auf dem Posten. Und so radeln wir uns bei gemütlichen 22 km/h ein und fahren zunächst entlang einer Kanals auf Sandwegen.
Die Fahrt geht gut, der bläst allerdings schon sehr hart von Südosten her in unsere Seiten - ich ahne Schlimmeres. Tatsächlich ist es so, wie die Wetterfrösche angesagt hatten. Aber wird es wirklich regnen?
Die Sandwege nerven etwas, Klaus echauffiert sich und so biegen wir schnell auf asphaltierte Straßen ab. Ich selbst fand das niedrige Starttempo jedoch ganz angenehm: Mein Knie macht mir Probleme. Ich lasse es lieber langsam angehen.
Aber richtig schnell können wir sowieso nicht werden. Kurz hinter der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern wird es Mittag, die Sonne steht hoch, der Himmel tut wie Sommer, aber sobald wir absteigen, unsere Körper keine Wärme mehr produzieren, merken wir, dass es alles andere als sommerlich ist.
Frisch ist es. Ach, kalt, kann man das noch nennen: 12 Grad sagt der Bike-Computer, aber gefühlt liegen wir locker ein paar Grad darunter.
Klaus nutzt eine Pinkelpause, um sich - liegend auf dem Gehweg eines Geisterdorfes namens Groß Molzahn - zu stretchen.
Ich frage mich derweil, wer hier wohl wohnen mag. Und warum? Auf der etwa 20 Sekunden dauernden Fahrt durch das Dorf, haben wir schon alles gesehen, was es herzugeben scheint: Eine Freiwillige Feuerwehr, einen Einkaufsladen (pleite), eine Kirche (leer) und eine Bushaltestelle. Und das hier war schon GROSS Molzahn.
Klein Molzahn ... ich will mir das gar nicht ausmalen.
Wilder Osten. Bauern ohne Arbeit - Stillegungsprämien sei Dank. Ein Landstrich, entvölkert durch Arbeitslosigkeit. Verfallen wegen Desinteresse. Befriedet mit Sternburg Export, ruhig gestellt mit RTL 2.
Und in 10 Jahren ein riesiges Urwaldgebiet.
Ich erweise mich mal wieder als Honk - gegen 13 Uhr merke ich dann endlich, dass ich absolut nichts zu Essen und mit 0,7 Litern auch viel zu wenig Trinkbares mitgenommen habe. An einer Aral zum Ortseingang Gadebusch verschlingen wir zunächst eine zünftige Tankstellenbockwurst, um uns danach einen Kaffee (hier "Kaffe" ausgesprochen) mit zwei Donuts einzuverleiben.
Die Glykogenspeicher sollten damit erst einmal aufgefüllt sein.
Unter den Augen der anwesenden GTI- und Motorradprolls geht es weiter. Der Wind peitscht uns, wir leiden. Klaus klagt zunehmend von einem Kratzen im Hals - mir geht es auch nicht besser. Es ist mittlerweile jede 10te Kurbelumdrehung, die mir einen stechenden Schmerz vom Knie ausgehend die Wirbelsäule hinaufjagt.
Wir nähern uns endlich Schwerin. Für mich - im Stillen - steht fest, dass hier die Etappe enden wird. Ich sage aber noch nichts. Angekommen. Schloss Schwerin. Räder abstellen. Siegfoto machen. Aber nach Sieg schmeckt das hier heute nicht: Gerade einmal 100 km stehen auf meinem Bike-Computer.
Halb Schwerin scheint auf den Beinen zu sein. Während sich Klaus wieder stretcht - diesmal auf dem heiligen Rasen des Schlosses, das gleichzeitig auch der Landtag dieses Bundeslandes ist - mache ich ein paar Fotos.
Unsere Räder ziehen nicht nur neugierige Blicke der Spaziergänger auf sich.
Ein Beamter, anscheinend alarmiert durch die überall am Schloss mehr oder weniger denkmaltechnisch unbedenklich angebrachten Überwachungskameras, ermahnt uns, uns vom Rasen zu entfernen.
"Ich komme ja auch nicht zu Ihnen nach Hause und lege mich in Ihren Garten!", sagt er.
"Aber das ist doch ein Haus des Volkes - also von uns bezahlt?!", kontert Klaus.
Doch die Steuerzahlernummer prallt am proper Beamtenbauch des Polizisten nur so ab. Wenn jetzt ein Abgeordneter käme, dieser müsse ja förmlich um unsere abgestellten Räder herumkreiseln, die hier den Eingang versperren würden. Nein, das gehe nun gar nicht.
"Abgeordnete? An Ostern?" - Klaus ist wohl in Streitlaune.
Wir gehen dann mal lieber.
Die Hotelsituation scheint online wenig befriedigend zu sein, also quartieren wir uns nach einigen entspannten, aber nervigen, Kilometern durch die Stadt im InterCityHotel der Stadt Schwerin ein.
Ein Plattenbau mit riesenhaftem Glasvorbau grüßt uns. Stasibunker meets Wintergartenwessi. Irgendwie sollte hier zusammenwachsen, was architektonisch nun aber wirklich nicht zusammen gehört.
70 Euro kostet uns jeden sein Einzelzimmer. Inklusive eines Frühstücksbüffets von 12,50 Euro - na, auf das bin ich aber mal gespannt!
Die Zimmer erweisen sich als überraschend geräumig, sauber und gar nicht so abgeschmackt eingerichtet, wie der Bau von Außen vermuten lässt.
Wir entkleiden uns, stürmen die Duschen und dampfen uns die Kälte aus den Gliedern, brühen die Enttäuschung ob dieser schmählichen Etappe aus den Knochen, tauen auf, erwachen und kleiden uns in Zivil.
Eine Stunde geben wir uns Zeit. Denn uns beiden brennt die Zunge nach Fleisch. Nach Protein. Nach Kraftessen. Heute, so müssen wir uns nicht einmal besprechen, heute essen wir uns das an, was uns die Zeit auf dem Rad über gefehlt hat. Heute stopfen wir uns voll mit Nährstoffen, mit denen wir morgen den Wind besiegen werden.
Ich genieße noch einmal den Blick der Stadt in der untergehenden Sonne, dann ziehe ich mir die Jacke an. Los gehts. Ich brauche ein Steak. Ein Männersteak!
Wir finden viel, in der Innenstadt: Subway, Deichmann, Nanu-Nana, Schlecker, Rossmann, Pimkie (und Orsay natürlich), vier oder fünf Banken (davon 3 Sparkassen auf 500 Meter Fußweg), wieder ein Subway, da, ein Orsay (und ein Pimkie) - aber kein einziges Restaurant.
Naja, zumindest keines, in das wir hineingehen könnten, ohne Angst zu haben, dass uns eine Horde Böhse Onkelz-Fans (neeeeein, keine Rechten!) anstarrt.
Bis, tja, bis wir in einer versteckten Seitengasse das Brinkama´s finden.
Brinkman´s?
Brinkmannsens?
Nee, Brinkama´s.
Ein Italiener. Laut Auskunft der eigenen Internetseite eines der besten 250 italienischen Restaurants deutschlandweit. Na siehste. Und rein da.
Und dann bekommen wir unser Steak. 250 Gramm Rind, meins blutig, Klaus medium. Und außer, dass meine Sour Creme nach Caipirinha schmeckt (da sind Zitronenraspel drin?!?) und Klaus nicht versteht, warum die Röstkartoffeln mit einer Art Tomatensauce kommen, sind wir sehr angetan. Das Bier tut das seine - und ich verliebe mich in die Kellnerin, die ohne Probleme die (jüngere und süßere) Schwester von Heike Makatsch sein könnte.
Da ich mich nicht traue, sie anzusprechen, klaue ich mir das Pic von der Website des Restaurants. Wir taufen sie "Jenny", finden uns geradewegs in der Pubertät wieder, zwei Ritter der Landstraße, wie wir da sitzen, auf unseren Steak-Pirinhas kauen und Jenny im einsetzenden Bierrausch sehnsuchtsvoll anhimmeln.
Ein herrlicher Ausklang eines herrlichen Abends.
Ich lande gegen 22 Uhr im Bett. Viel zu spät für eine Radtour. Aber die ging ja heute auch schon viel zu spät los. Und endete viel zu früh. Passt also.
Und so träume ich mich zwischen den immer wieder unten vom Bahnhof heraufziehenden Ansagen mit vollem Mascarpone-Magen hinüber ins Morgen.
Hinüber, hinüber, an das 12,50 €-Büffet ...
Und das stürme ich denn dann auch am nächsten Tag - nicht, ohne zuvor voller Angst und Scheu die Gardinen beiseite gezogen zu haben. Für heute ist Regen angesagt, der "im Laufe des Tages in Schauer übergeht". Ah, super Aussichten.
Ich fege die Stoffe beiseite: Bestes Wetter. Blauer Himmel. Die liebe Sonne lacht, kitzelt meine Nase und ruft zu mir herunter: "Und nun stürme das Büffet!"
Und die liebe Sonne, die sollte man nicht enttäuschen.
Auch Klaus gesellt sich zu mir. Wir sitzen im Wintergarten-Ungeheuer und lassen uns zunächst den erstaunlich guten Kaffee schmecken. Hotel-Großküchenfilterkaffee nach systemgastronomischer Brühtradition aufgesetzt wird meiner Erfahrung nach eigentlich nur von einer noch schlechteren Brühkunst übertroffen: Nordamerikanische Plörre.
Aber das, was sie hier im Schweriner InterCity servieren - alle Achtung! So schmeckt, wie ich damals nach der Wende mir die Krönung vorgestellt habe. Ein Traum!
Das Büffett ist reichhaltig und frisch, positiv fällt ein handgemachter Fruchtsalat auf, in dem exotische Dosenfrüchte nur eine Nebenrolle spielen. Und so stärken wir uns, der Schock kommt dann gleich.
Ich sitze unten in der Lobby, vertreibe mir die Zeit mit den neuesten Twitter-Meldungen und warte auf Klaus, der von einer Verschlechterung seines Halses berichtet.
Kurz darauf stehen wir vor dem Hotel - mit uns reist eine Gruppe Mid-50er Schweden im Riesenreisebus ab - und wir sehnen uns angesichts der beißenden Kälte, eines scharfen Südwinds und Nebelschwaden, die bei jedem Atemstoß vor den Mündern hängen, zu ihnen in den bequemen Neoplan-Reisebus.
In der nächsten Apotheke überrede ich Klaus zum Kauf von neo-angin Halstabletten (zuckerfrei, wir wollen ja keine Karies kriegen) und schon treten wir rein - Adieu Schwerin, es war sehr schön. Und in Gedanken winke ich Jenny ... diese großen Kulleraugen, diese rauchige, freche Stimme ...
Und dann bekommen wir eine gescheuert.
Der Wind haut uns eine in die Fresse.
Kickt uns in den Magen.
Poliert uns die Nase.
Böen zerren an den Rädern, es schlackert in den Ohren, wie sonst nur auf Abfahrten jenseits der 60 km/h. Geschwindigkeiten, von denen wir jetzt nur noch träumen können - wenn es hoch kommt, steht da eine 24 auf dem Display vor mir. Meist sind es 21, 22 km/h - und allzu oft gar nur enttäuschende 18 km/h. Der Wind hat uns. Kommt von schräg rechts. Je nachdem, wie die Strecke verläuft, muss ich mich förmlich in den konstanten Windschub legen, fahre teilweise mit einigen Grad Schräglage, um einigermaßen meinen Kurs halten zu können.
Verbissen klammern wir uns an die Lenker, zerren und treten in die Pedale, brennender Hass treibt uns voran. Und mehr als einmal fluche ich mir die Seele aus dem Leib. Doch alles Anschreien nützt nichts - diese Luftmassen walzen einfach über uns hinweg.
Irgendwann sehe ich es blitzern. Weiß. Rein. Eine Fata Morgana? Drehe ich jetzt durch? Gerade haben wir den Hellberg bezwungen - eine Stelle, die ich von zwei früheren Reisen nach Rostock kenne. Knappe 600 Meter geht es mit 12 % bergan. Ich rufe es Klaus zu, der meint anfangs noch "Ach, das sieht doch ganz harmlos aus?!".
Einhundert Meter später kurbelt auch er auf dem kleinsten Blatt im kleinsten Gang.
Also blitzt es Weiß, Strahleweiß, da vor uns. Nicht weit weg.
Da muss ich hin! Ich reiße mein Rad herum, Klaus schüttelt ungläubig den Kopf - die Strecke verlassen für DAS?
Und dann stehen wir da, wie Reinhold Messner auf dem K2, wie zwei Bezwinger eines Achttausenders, Abenteurer auf dem Gipfel, Sieger einer Expediton. Wir posieren wie Veteranen, wie Verrückte, die den Heiligen Gral gefunden haben.
Aber was ist es?
Ich taufe es den Powergel-Berg.
Reines Kraftpulver. Tonnen davon. Geblendet, Augen verblitzt, Sonnenbrillen nutzlos: Wir sehnen uns nach dem, was wir gerade nicht haben. Wie Jungs im Spielkasten feixen wir, träumen und spinnen - was, wenn das hier wirklich reines Power-Pulver wäre?
Klaus schnappt sich einen Brocken.
Ich versuche dramatische Fotografie.
Wir haben eine Macke. Aber es tut mal gut nach dieser Schufterei. Befreiendes Lachen, jugendliches Herumtoben. Wir wissen beide nur zu gut: In ein paar Minuten geht es wieder auf die Piste. In ein paar Minuten: Klaus und seine schleichend sich verschlimmernde Erkältung und ich, ich habe eine Patella, die sich anfühlt, als hänge sie nur noch an einem lächerlich schwachen, kleinen, dünnen Sehnenstückchen.
Na herrlich.
Mecklenburgs Himmel gaukelt Romantik vor.
Während wir unten auf der Straße kaum voran kommen. Es ist leicht hügelig, kleine Steigungen, manche gar giftig und bissig wie räudige Köter mit Heißhunger. Ich hänge wie ein Schluck Wasser im Sitz meiner Speedmachine: Wenn Klaus vorne fährt, mir spärlichen Windschatten geht, fahre ich bis auf wenige Zentimeter an ihn heran - und dann, zwei, drei Umdrehungen aussetzen mit Treten. Erholung für mein rechtes Knie. Ich könnte schreien, tue es aber nicht. Nein, Aufgeben ist nichts für mich. Nicht heute.
Und dann, manchmal, dann lässt sich Klaus nach hinten fallen. Dann muss ich ran. Setze mich vor ihn, klammere meinen Tiller-Lenker fest, scheiße auf die Schmerzen und trete rein. Ziehe ihn mit, versuche, fünf, sechs, sieben Kilometer Windschatten für ihn zu machen. Bis er wieder dran ist.
Dass das Quatsch ist, ist mir klar: Der Wind kommt von schräg rechts, nicht direkt von vorn. Der Windschatten, den wir hier für einander produzieren, ist minimal. Aber gut für die Psyche - etwas ausrichten können, wenigstens das Gefühl zu haben, gibt einige Kraft.
Nächstes Dorf. Irgendwo im Nirgendwo.
Klaus gibt Laut.
Anhalten. Pause.
Wir stellen die Räder ab. Klaus lässt sich in die Wiese fallen. Er ist zu fertig, um "Scheiße" zu rufen.
Als ich meinen Helm abgenommen und das Blutrauschen in meinen Kopf verklungen ist, das Klirren vom Wind in den Ohren abgenommen hat ... hämmert sich ein Rhythmus von noch viel schlimmerer Brutalität in mein Hirn.
Das ganze Dorf bebt.
Es wummert ein Bass.
Es scheppern die Höhen.
Vom Wind herüber getragen - die Beschallung einer ganzen Region: "Lebt denn der alte Holzmichel noch ...?" gröhlen da die Volksmusikanten aus den Boxen einer nicht weit entfernten Schrebergarten-Datscha. Na hossa, denke ich mir, und versuche es zu ertragen, während ich im Gebüsch pinkeln gehe.
Was wäre, wenn das hier das Schlagerdorf ist? Muss es ja, denn als ein - mir gänzlich unbekannter Hit - den Holzmichel ablöst, stelle ich mir ernsthafte Fragen am Zustand unserer Gesellschaft ...
"Deine Seele ist so schwarz wie Whisky ... Du bist so kalt wie Vodka ... Deine Augen sind so braun wie Brandy ..."
Klaus, wir müssen los. Bitte!
Wir unterqueren eine nagelneue Autobahnbrücke - Klaus freut sich zu sehen, wo der Solidaritätszuschlag ankommt. Und ich mich auch. Schließlich bedeuten mehr Autobahnen auch gleichzeitig ruhigere Nebenstrecken, selbst Bundesstraßen, die auf einmal für Radfahrer wie uns befahrbar werden.
Aber die Freude ist von kurzer dauer. Das Gelände wird merklich hügeliger. Wir kommen durch gespenstisch anmutende Wälder. Der Winter steckt hier noch im Gehölz, kaum Grün, dafür verwesendes Laub vom letzten Jahr, totes, nasses Holz, morastiger Boden, es riecht nass. Keine romantische Landpartie - eher Blair Witch Project.
Wald und Wiesen, Felder und Wälder wechseln sich ab. Grandiose Langeweile und atemberaubend weite Landschaften, erstes zaghaftes Grün auf den Feldern, frische Pflanzen noch ganz schüchtern, wagen sich kaum aus den Äckern, an den Windmühlen zerrt die brutale Luft, um wenig später über unsere Räder zu branden wie Wellen. Sie zerrt an uns, laugt uns aus.
So vergehen die Minuten. So zerrinnen die Kilometer. Zäh, hart erkämpft, jeder Meter Vormarsch, kaum brechen wir auf einer windgeschützten Abfahrt einmal die 30er-Grenze, zerschlägt uns in der Senke der Gegenwind jegliche Mobilität. Wirft uns zurück, bremst uns ab, verweist uns auf unsere Plätze. Ganz unten, heute. Ganz ganz unten.
Mittag. Essen.
In Bützow halten wir. Ich muss pinkeln, Klaus schaut nach einer Möglichkeit, sich irgendwo im Innen aufzuwärmen. Was Kleines zu essen. Bützow. Ein Ort, den ich auch noch kenne von meinen beiden Touren - kenne, vom Vorbeifahren.
Und hier nun was essen.
Oha.
Wir entdecken das "Deutsche Haus". Abgeranzt. Zwei Flaggen (wenigstens die aktuellen) wehen vor einem verblichenen Rostocker-Pils-Schaukasten, in dem wohl mal das Tagesmenü werben sollte. Er ist leer. Nein, auf NPD haben wir keine Lust.
Ein China-Imbiss. Es riecht nach Glutamat. Gift sowieso für den Körper - noch schlimmer aber für einen ausgelaugten Körper, der heute noch einige Kilometer treten muss.
Noch ein "Deutsches Haus". Leute, bitte!
Und dann finden wir sie. Eine Zeitreise beginnt.
DDR, bitte eintreten. Heute sogar ohne Zwangsumtausch.
Innen versprüht eine Sprelacart-Orgie vom Feinsten heimelige NVA-Clubheimathmosphäre. Holztäfelung, der man ihren Formaldehydgehalt ansieht, ein Meer an staubigen Plastikblumen, die Kellnerin fragt mich, ob ich "noch den Koch brauche" - Ja, sage ich ihr und denke "Sorry, aber wir haben Hunger."
Klaus kommt vom Klo, seine 5 Schichten Klamotten gegen 5 neue Schichten trockene Klamotten getauscht.
Was wir denn bestellen möchten, fragt sie.
Und ich muss es ordern. Muss einfach. Denn wenn ich schon mal wieder in der DDR sein darf, meiner alten längst vergangenen Heimat, dann muss ich es auch essen. Ich muss. Muss.
"Ein ... Würzfleisch bitte." sage ich.
Und bekomme es.
Klaus nimmt es auch. Und dazu ganz mutig noch eine "Cremesuppe". Maggi lässt grüßen.
Das Raguh-Feng ist nicht der Rede wert. Der Koch hätte ruhig schon Feierabend machen können - so eine Metro-Dose aufmachen und den Scheiß in die Mikrowelle stellen, kann ich auch selbst. Naja.
Die Sonne schickt sich an unterzugehen. Wir stehen, zwei Stunden später, kurz vor Rostock.
Berlin? Nein, Berlin haben wir aufgegeben. Irgendwann wird es Zeit, auf Südkurs zu gehen. Irgendwann in Höhe Schwaan hätten wir eine Rechtskurve fahren müssen - Richtung Berlin.
Das hätte aber auch bedeutet: Gegenwind. Und zwar richtig von vorn. Für nicht weniger als 300 Kilometer. Und für morgen, das weiß ich, ist Regen angesagt. Eigentlich schon für heute, aber Gottseidank ist das Wetter einen Tag zu spät.
Also durch den Gegen bei 11 Grad Kälte mit bis zu 25 km/h Gegenwind?
Never.
Wir gehen auf Nordkurs. Rostock ist auch schön, sagen wir uns.
Rostock ist auch schön, sagen wir uns noch einmal, als wir zwei Stunden später in Warnemünde am Tisch mit Meerblick sitzen. Und das nicht in irgend einem Hotel, sondern in DEM Hotel. In dem Prestigebau der DDR im Norden - das "Hotel Neptun".
Mithin ein aufgemotzter 4-Sterne-Laden, der mit einem Sonderpreis von 38 Euro zum Osterbrunch lockt.
Uns ists egal, wir kehren ein - nachdem wir im Rostocker InterCityHotel unsere Zimmer bezogen und geduscht haben.
Wir essen mittelmäßigen Sauerbraten, schauen wieder Kellnerinnen hinterher und lecken unsere Wunden.
Zum Abschluss, so reden wir uns Mut zu, muss man sagen, dass bei einer solchen Wetterlage dann eben einfach nicht mehr drin war. Und die Bilanz ist bitter - was als lockere 450 km-Tour nach Berlin geplant war, endet in Rostock nach gerade einmal 220 km.
Ich selbst bin dermaßen außer Form, dass ich mir was für das Training einfallen lassen muss. Immerhin steht in 2 Monaten eine 1.400 km-Tour durch Italien an. Und da, da kann ich nicht einfach mal auf einen anderen, angenehmeren Kurs gehen, nein, dann MÜSSEN wir ankommen.
Und Klaus? Klaus ist krank, Fieber, sagt er.
Der Zauber vom Windstopper ist eine Lüge.
Das steht man fest.
Am nächsten Morgen bin ich einziger Nutzer des riesigen Radabteils. Der Zug steuert durch wechselhaftes Wetter. Klaus simst was von Starkregen - ich muss im IC irgendwann die Sonnenbrille aufsetzen, denn die Sonne kommt durch. Herrliches Radwetter, befinde ich.
Ob ich nicht doch noch in Schwerin von Bord gehe in die 100 km nach Hamburg fahre?
N-E-I-N - gibt da klipp und klar meine Kniescheibe schmerzend nach oben.
Und jetzt weiß ich wieder, warum ich heute lieber meine Bahncard bemühe, als meine Waden.
Trotzdem wars eine nette Tour, schreibe ich Klaus, und immerhin - einen Anwärter auf meinen Beitrag zum BentCal 2011 habe ich auch schon gefunden: HP Velotechnik am PowerGel-Mountain. Dramatisch schön, oder?
Gefahren: Etappe Büchen-Schwerin 104,43 km in 4:38 Stunden und 22,5 km/h Schnitt, Etappe Schwerin-Rostock 102,37 km in 4:48 Stunden und 21,3 km/h Schnitt.
Sowas bin ich in besseren Zeiten schon an einem Tag gefahren. Mager. Aber bei diesen Wetterverhältnissen kaum besser zu machen.
.
Lars ....
Unknown
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