Nächste Woche geht es los: Hamburg - Göteborg in 5 Etappen. Wir nennen es den "Kleinen Skandinavier". Welch´ ein Segen war da doch das herrliche Spätsommerwetter an diesem Wochenende, das pünktlich zum Feierabend am Freitag eingesetzt hatte. Denn würde ich noch einmal eine längere Überlandfahrt trainieren können. Schließlich will ich nächste Woche nicht mit eingerosteten Knochen herumeiern.
Also ging es am Samstag gegen 9 Uhr los - meine Lieblingsfamilie im grünen Dithmarschen besuchen. Wind und Wetter waren gnädig, und so erledigte sich der Flug über Pinneberg, Elmshorn und Wilster wie von allein.
Teilweise begleitete mich ein Rennradkollege, der von Elmshorn aus über die Brücke bei Hochdonn am Kanal entlang seine Samstagsrunde drehte. Wir schnackten eine Weile, dann fuhren wir los.
Trotz seiner Waden, die beachtliche Ausmaße erreicht hatten und von regelmäßigem - weitaus intensiverem als dem meinem - Training zeugten, hatte ich jederzeit ein paar km/h Überschuss und genoss es, in seinem Windschatten bei 33 km/h einige Kilometer sein Flügelmann zu sein. Er bog irgendwann vor Wilster ab, winkte noch einmal und trat alleine weiter in die Kurbeln.
Bevor ich den Kanal erreichte, hielt ich kurz am Tiefsten Landpunkt Deutschlands inne - und konnte es 4 Kilometer später kaum glauben, als ich nach nicht einmal 4 Stunden auf der kleinen Fähre über den Nord-Ostsee-Kanal getragen wurde.
Was für ein Unterschied zu meinem ersten Besuch bei den lustigen Vier, als ich (freilich am Ufer der Elbe und damit rund 50 km weiter) fast sterbend bei ihnen ankam - immerhin hatte mich meine allererste längere Tour auf der Speedmachine hierher geführt, in den Luftkurort Burg.
Es war wie immer toll bei Euch, Ihr Lieben! Entspannend, lustig und großartig, mit Euren beiden Rackern herumzublödeln und sich in Gesprächen über die gute alte Schulzeit zu verlieren. Bei Euch ists immer wie im Urlaub. Wie kann ich Euch nur dafür danken?
Die Rückfahrt heute gestaltete sich zunächst ebenso reibungslos: Am Ufer des Nord-Ostsee-Kanals entlang rollte das Liegerad mit flotten 27 km/h Schnitt durchs grüne Schilf, überholte das eine oder andere Schiff und erfreute sich an den Bugwellen der entgegenkommenden Containerfrachter.
Eine andere Fähre, weiter westlich, brachte mich ans gegenüberliegende Ufer, und da erwischte er mich: Ein strenger, konstant stark wehender Gegenwind genau aus Richtung Hamburg. Keine Ausflüchte, kein Verstecken: Bremsend, immer wieder stark entgegen schiebend zerrte Luft an meiner Geschwindigkeitsanzeige.
Teilweise auf furchtbar frustrierende 19 km/h herunter gebremst kam ich nur sehr schleppend voran. Selbst die Schafe auf den Deichen (ich gönnte mir den Umweg über Glückstadt - das Wetter genießend) hatten Mühe, ihre Wolle beisammen zu halten.
Trotzdem genoss ich die Sonne, die am detailreich mit zarten Zirruswölkchen garnierten, tiefblauen Himmel daniederbrannte und noch einmal unser aller Melatoninhaushalt aufputschen sollte.
In Elmshorn bremste eine vollgesperrte Innenstadt meinen eh schon langsamen Flug und zwang zu einem Umweg durch verwinkelte Gassen. Volksfeste können auch etwas Nerviges haben.
Aber irgendwann - und überraschenderweise auch gar nicht mal so viel später als erwartet - rollte ich dann auch wieder durchs vertraute Pinneberg, dann Rellingen und triumphal bei großartigstem Wetter in meinem heimatlichen Niendorf ein.
Eine schöne Tour - wenn auch von ihrer Entfernung eher das, was wir nächste Woche als Tagespensum eingeplant haben. Dennoch wichtiges Training und vor allem ein schöner Besuch bei lieben Freunden.
Schade, dass der Winter naht ...
Gefahren: 163,23 km in 6 h 39 min und windgebremsten 24,5 Schnitt
NEU, die Speedmachine on Tour: Portugal per Liegerad
31 August 2008
Last Trial
Lars ....
Unknown
0
Kommentare
24 August 2008
Sonntagsmauz
Ja, so kommt das, liebe Mauzi, wenn man gutgläubig mit dem Tschiepi eine Sonntagsfahrt antritt: Aber sehr wacker hast Du Dich geschlagen. Immerhin 34 km auf Deinem Quaki zurück gelegt. Ich hoffe, dass Dich noch heute Abend ein schönes bisschen Ziehen in den Schenkeln, ein angenehmes Brennen in den Lungen und leicht erhöhter Puls an diese kli-kla-kleine Tour erinnern wird ... hihi.
Begonnen hat alles heute morgen, als nach 2 Tagen und einer Sauwoche voller Mistwetter endlich die triste Wolkendecke aufgerissen war und ich mich freute, der Speedmachine wieder die Sporen geben zu können. Immerhin steht in 3 Wochen der "Kleine Skandinavier" an, eine ca. 700 km-Tour, und da will man sich ja nicht untrainiert mit dem Bianchi-ausgerüsteten Mitfahrer messen wollen.
Und so steuerte ich gegen 10 Uhr mein Rad gen Rellingen - die altbekannte Runde über Pinneberg, Wedel wieder zurück. Von Süden her blies ein kräftiger Wind, der stetig für Abwechslung am Himmel sorgte: Mal verdeckten verdächtig wassergrau aussehende Wolken den wärmenden Ball, mal rissen diese durch starke Böen in Fetzen und hervor kam ein strahleblauer Himmel mit viel Sonne.
So muss das sein - nicht zu kalt, nicht übermäßig heiß. Ein paar Rennradkollegen waren unterwegs, aber nicht gar zu viele. Die Fahrt ging flux, kein Problem, die Runde kennen wir mittlerweile und so flog ich gegen 12 Uhr über Blankenese wieder nach Hamburg ein und kam ziemlich genau nach 50 Kilometern an den touristenüberlaufenen Landungsbrücken zum stehen, nachdem ich per Handy die Mauz geweckt und zum sportlichen Betätigen eingeladen hatte.
Widerwillig, aber immerhin teilnehmend, kam sie dahergeradelt auf ihrem schönen grünen Quaki. Und los gings: Mit gemütlichen 12 km/h im Slalom durch fahradwegblinde Touristengruppen, penetrant auf selbigem wartende Renter, vorbei an den völlig visitor-verstopften Kaianlagen bis Fischmarkt, dann Övelgönne und rauf auf die Fähre.
Das Übersetzen war ein Klacks und in Finkenwerder entschieden wir uns ... spontan ... zu einer Runde bis Harburg. Zwar wollte die Mauz durch den alten Elbtunnel zurück, aber Himmel, wo der zu finden sein sollte, das war mir ein Rätsel. Die Elbbrücken erschienen da als sicherere Alternative.
Doch zunächst 12 km bis Harburg. Die arme Mauz, völlig untrainiert, in viel zu hohen Gängen, fluchte sich die sanften Steigüngchen hinauf (sie nannte das "Oh nein, wieder ein Berg!") und war ein ums andere Mal der Aufgabe nahe. Aber was tun? In the middle of nowhere, vor allem in Harburg ... aber nee, schon klar, schrei mich ruhig an ...
Aber dann war irgendwann die Süderelbbrücke erreicht, die ersten 12 km bewältigt und ich überlegte es mir zweimal, ihr zu sagen, dass bis HH-Zentrum nochmals 12 km angesetzt waren. Aber auch die überstand sie tapfer (und bitter fluchend). Immerhin winkte eine fette Torte als Belohnung.
Irgendwann nach 3 Stunden hatten wir dann die Hafencity erreicht und eine schöne saure Ostfriesentorte bahnte sich den Weg in beider Mägen.
Fein gemacht Mauz! Gut durchgehalten. Das nächste mal ... 40 Kilometer und wie versprochen: In die Harburger Berge ...
Mauz verabschieden, Wunden lecken. Meine Wenigkeit, um dann nach diesen 3 Stunden im unter-20-km/h-Modus auch mal wieder in Genuss von Speed zu kommen, gab ich auf dem Nachhauseflug noch einmal richtig Gas und trudelte so nach knapp 5 Stunden wieder in Niendorf ein. Ein schöner Sonntagsritt bei wild-stürmischem, aber gottseidank trockenen, Wetter. Mehr davon!
Gefahren: 97,23 km in 4 h 44 min
NEU, die Speedmachine on Tour: Portugal per Liegerad
Lars ....
Unknown
0
Kommentare
17 August 2008
HH - Boltenhagen: Ein Ostseetraum
Wetter 1A, da sind sich heute alle Wetterdienste einig. Jörgi, alter Mitstreiter und zebröser Freund aus Berlin, hat mich in ein Feriendomizil am Strand eingeladen - also warum liege ich hier noch im Bett und schlafe?
Ich sehe den Himmel, der sein majestätischstes Blau angezogen hat und sehe seine Schwester, die liebe Sonne, die gnädig das ihre dazu gibt. Und so fliege ich, nachdem ich meine Speedmachine mit nagelneuem Rohloff Speedhub abgeholt habe, einfach los.
Hinaus ging es in die Sommerfrische. Was sich auch Tausende andere gedacht haben müssten, denn ich fand mich schnell in ziemlich dichtem Verkehr wieder, was vor allem hinter Bad Oldesloe, wo es keinen Radweg gibt, teilweise in Stress ausgeartet ist. Reinfeld flog vorbei und ehe ich es mir versah, schnurrte ich flink am Ortseingang zur schönen Hansestadt und Mekka aller Marzipan-Liebhaber ein.
Lübeck war erreicht. Sogar das schicke Holstentor, das Wahrzeichen der Stadt, war mir vergönnt zu sehen. Aber keine Zeit, keine Zeit. Ich wollte zum Jörgensen, meine Ex-Kollegen und Mitstreiter in einer Agentur. Lange nicht gesehen - es würde viel zu erzählen geben, das Holstentor würde am Sonntag auch noch da stehen, dachte ich mir - und gab Stoff, dass die Kurbeln nur so ratterten.
Langsam jedoch machten sich meine Beine bemerkbar. Es zog unter den Knien, müde, nur noch schwerfällig konnte ich das Rad vorwärts treiben. Da kamen mir der stete Seitenwind und der hügelige Charakter der Strecke natürlich nicht gerade gelegen.
Es macht sich also doch bemerkbar, wenn man eine Zeit lang nicht trainiert hat.
Nach Portugal habe ich keinen Kilometer mehr auf der Maschine absolviert. Die Rechnung sandte er mir nun, mein Körper: Leichte Schmerzen. Ungewohnt und ernüchternd schon nach schlappen 80 Kilometern - sonst gerade mal Halbzeit auf meinen Touren.
Aber ganz so tragisch war es alles nicht. Denn Mutter Natur verwöhnte mich mit hübschen Ausblicken über das weite holsteinische und später mecklenburgische Land. Hinter Schlutup, wo ich in mecklenburgisches Gebiet einfuhr, empfing mich kühlend ein dichter Wald. Und ein glatter Radweg.
Ich überquerte die ehemalige deutsch-deutsche Grenze - nurmehr am andersfarbigen Straßenbelag und einem einsamen Grenzturm zu erkennen, der mit allerlei Grafitti bedeckt war. Schön, dass man vor ihm nun keine Angst mehr haben muss.
In Sichtweite flog rechter Hand die Trave vorbei, die hier eine riesige Bucht ausgebildet hat und mir wie ein See vorkam. Reier, Greifvögel und allerlei anderes Flügeltier tummelte sich im Luftraum über dem dichten Schilf. Wenn Traktoren die satt-braune Erde durchpflügten, erreichte mich torfiger Geruch, es roch fruchtbar, dörflich.
In Dassow, wo ich mir einbildete, dass es nur noch 10 oder so Kilometer sein könnten, staubte es dann auch. Gewaltig. Aber nicht, weil schwere Schlepper ihre stählenen Pflüge in die Erde rammten, sondern weil im Rahmen eines Dorffestes die gesamte motorisierte Jugend der Umgebung angereist zu sein schien, um ein kombiniertes Straßen-Motocross-Rennen zu fahren.
Entsprechend abgehetzt muss ich gewirkt haben, als ich mich, umringelt von laut heulenden, dreckverschmutzten Cross-Krädern den Dorfberg emporstrampelte. Ein ums andere Mal mussten die Jungs ausweichen, einige drehten sich sogar zu mir um, schauten, was das für ein komischer Vogel da war, der ihre Strecke kreuzte.
Sicher hat das denen ein paar Sekunden gekostet.
Mir hat es einiges meiner Kondition gekostet: Bergan-Racing mit Gepäck und dabei slalomfliegend kindskopfgroßen Erdklumpen, die allenthalben auf der Fahrbahn lagen, auszuweichen, dabei zu schauen, dass man nicht einfach ungestüm platt gemacht wird ... ein Heidenspaß!
Der auch weiterging, denn nach Dassow (wie gesagt, alles andere als 10 Kilometer entfernt) folgten lustige Bergauf-Bergab-Passagen, die das Letzte von mir forderten.
Wir schön war es, als ich dann endlich den salzigen Tag am Strand der schönen Ostseeküste riechen und das Eingangsschild von Boltenhagen sehen konnte!
Wenig später sitze ich bei Jörg auf der Terasse. Werde mit Apfelschorrle und einem Abendbrot umsorgt und kann mich - wie erhofft - in die so vermissten und lieb gewonnenen Gespräche vertiefen. Es ist gut, ab und zu alte Freunde zu treffen. Und umso mehr freut es uns, dass wir es geschafft haben, uns zu sehen. Denn abgesehen davon, dass wir beide stressige Jobs und kaum Zeit haben, die Entfernung Berlin-Hamburg für ein Treffen zu überbrücken, freut es umso mehr, dieses Treffen nun hier, an diesem schönen Ort an der See zu haben.
Wir spazieren am Strand.
Es ist wunderschön hier. So ruhig, ein bisschen kühl, aber das wirkt wohltuend. Einige Jugendliche haben sich die Strandkörbe erobert, andere versuchen sich als Sandskulturenbauer, die nächsten nutzen die Romantik der prachtvoll untergehenden Sonne für einen Turtel-Spaziergang mit ihrer Liebsten oder dem Liebsten.
Wir essen noch ein Eis und trinken eine Kleinigkeit. Dann lenken wir unsere Schritte heim und setzen uns noch eine Weile auf die Terasse.
Ein Abendbierchen gibt es noch, dazu anregenden Gute-Nacht-Klön. Gegen halb 11 krieche ich in meinen Schlafsack und schlafe fast augenblicklich zum Rauschen der Ostsee draußen ein.
Der nächste Morgen - es ist warm, die Sonne strahlt hell. Genau wie Jörgi, seine süße Tochter und ich. Wir sitzen am Frühstückstisch, schnacken über dies und das und laben uns an Baguette und Kaffee.
Gegen halb 11 wird es Zeit. Tschüs, Fotos gemacht und herzlich gewunken.
Es war schön bei Dir, Jörgi, und gern wieder!
Meine Hoffnung, dass heute der fiese Seitenwind etwas unfieser sein würde, hatte sich nicht erfüllt. Im Gegenteil: Straff blies mir frischer Wind aus dem Inland entgegen, bremste die Fahrt vor allem bergan bis auf teilweise 16 km/h herab, aber hinderte mich auch nicht daran, Teilstücke mit flotten 35 km/h hinter mich zu bringen.
Bis Lübeck verlief die Fahrt harmonisch, wie auf der Hintour. Da ich die Strecke nun kannte, brauchte ich nicht mehr so oft nachzuschauen. Und so flog ich durchs Grün, genoss die Sonne und erfreute mich an Waldschatten ebenso, wie an heißer Sonne.
Kein Vergleich zum Backofen Portugals. Und hier freute ich mich, denn wenn ich schon außer Übung war, was meine Kondition anbetrifft, so konnte mir nach dem portigiesischen Hitze-Trip die Sonne hier nur vergleichsweise schwach vorkommen, was mir ein mildes Lächeln auf die Lippen zauberte, wenn ich die zahlreichen Sonntagsradler, die anscheinend arg zu leiden hatten, flux überholte.
Die Beine schmerzten auch nicht mehr so wie gestern und so gestattete ich mir eine Bananenpause auf dem Rasen vor dem Holstentor.
Zwei sehr attraktive Bikerinnen hatten ihre Trekking-Räder an einer Bank neben mir abgestellt und betrieben fleißiges Kartenstudium. Aber meine gute Kinderstube verhinderte eine Kontaktaufnahme (was hätte ich auch fragen können?) und so erfreute ich mich an der Idee, dass es anscheinend auch noch hübsche Gleichaltrige des anderen Geschlechts zu geben scheint, die meine Leidenschaft für das Tourenfahren teilten. Schön.
Lange Rede: In Bad Oldesloe flog eine Bockwurst - das hat mittlerweile Tradition - an meiner Lieblings-Aral in meinen Magen, variiert diesmal durch ein sehr angeregtes Plauderchen mit einem Hamburger Rennradfahrer, der ebenso wie ich zum Vitaminetanken angehalten war.
Die Restfahrt verlief ohne Zwischenfälle, flux und flott surrte ich mit beständigem Vortrieb nach 5 Stunden in Hamburg ein, wobei ich, quasi kurz vor meiner Haustür, eine sehr rabiate Vollbremsung hinlegen und dabei einen Daddy auf einem Damenrad fürchterlich erschrecken musste. Mein Fehler - zu schnell gewesen. Es roch sogar nach verbranntem Gummi - das hatte sogar ich noch nie.
Nun habe ich mein verdientes heißes Bad hinter mir - und ein wieder sehr sehr erholsames Wochenende an unserer schönen Ostseeküste genießen dürfen. Der leichte Sonnenbrand auf meiner roten Nase wird mich bestimmt noch in den nächsten Tagen daran erinnern, wenn es wieder regnen wird, bei uns in Hamburg.
Gefahren: 111,48 km in 4:44 h (Schnapstour!) auf derHinfahrt und 120,1 km in 5:10 h auf der Rückfahrt. Gesamt: 231,75 km
NEU, die Speedmachine on Tour: Portugal per Liegerad
Lars ....
Unknown
0
Kommentare
16 August 2008
"Ick hab´n Speedhub ...!"
Endlich, endlich - nach fast 2 Wochen im Liegeradstudio habe ich heute endlich die Speedmachine aus Bernds Händen zurück erhalten. Der Portugal-Trip hatte dem Rad einiges abverlangt, sodass ich es lieber in seine Hände übergeben habe. Und da mich die Deore XT sowieso nie wirklich ganz zufrieden stellen konnte, orderte ich ihn gleich mit.
Ihn, den Traum eines jeden Tourenbikers.
Ihn, das technische Wunderwerk, Quelle unzähliger Geschichten.
Legendär.
Den Speedhub von Rohloff.
Und nun ist es soweit. Da hängt er nun, fest gehalten inmitten der Speichen prangt das Gerät. Feuerrot eloxiert, wie ein Atomreaktor, voller Energie, schäumt der Speed fast heraus und tropft unsichtbar - aber lockend - die Felge hinab. Ich bin außer mir vor Freude!
Eine erste Runde im Liegeradstudio verspricht nur Gutes: Das (wohl) charakteristische Surren einer Nabenschaltung im Hinterkopf nehme ich ein paar Kurven, beschleunige, bremse, schalte hoch und runter. Leicht geht es. Fast fliegen die Gänge nur so vom neuen Schaltdrehgriff ins rote Gehäuse, ändern die vielen kleinen Zahnrädchen im Inneren die Übersetzung und schicken meine Beinkraft optimal dosiert ans Hinterrrad.
Und erst bei der Rückfahrt von Altona nach Niendorf - ich will nicht übertreiben, aber es ist ein ganz anderes Fahrgefühl. Komfortabler, wesentlich komfortabler, das Getriebe ist schaltfreudig wie nix, spricht schnell an und macht jeden Beschleunigungsritt an der Ampel zu einem Vergnügen. Und das beste: Ich kann locker aus voller Geschwindigkeit an den Ampeln anhalten und lässig im Stehen schalten. Das bringt Freude!
"Ick hab´n Speedhub!" - könnte ich die ganze Zeit nur rufen.
Nein, das ist kein Atomreaktor da hinten, das ist ein Warp-Antrieb!
Ich beschließe, gleich weiterzufahren zu meinem Berliner Freund Jörg. Hoch an die Ostsee. Wir haben ja Wochenende. Warp 7 bitte, Scotty!
Gefahren: 14,78 km in 37 min und 24 km/h Schnitt
NEU, die Speedmachine on Tour: Portugal per Liegerad
Lars ....
Unknown
3
Kommentare
30 Juli 2008
Back from track: Adéus Portugal
Da ist er wieder - zwei Wochen Portugal habe ich hinter mir. Und was das für eine Reise war! Voller Abenteuer, voller Spannung, voller so viel Neuem, Fantastischem.
12 Tage Süden im Juli, das war Hitze, Leid und Schweiß pur, das waren kochende Landschaften, Durststrecken und endlose Aufstiege auf Bergrücken, die Panoramablicke boten, die man kaum beschreiben kann.
Kann man nicht? Man kann - einfach diesem Link folgen:
Recumbently Portugal das Tourenblog für diesen Trip.
Viel Spaß.
Gefahren: 761 km in 7 Etappen und insgesamt 37 Stunden
NEU, die Speedmachine on Tour: Portugal per Liegerad
Lars ....
Unknown
3
Kommentare
06 Juli 2008
HH - Rudower See, Tag 1: Eine Grüne Hölle bitte.
Das Wetter versprach schön zu werden. Zumindest signalisierten die Wolken ihren Willen zum Aufbruch, dahinter glühte schön kräftig die Sonne vor, sie wollte es uns an diesem Tag ja auch besonders heiß machen, hatte sie doch richtig was nachzuholen, nach den verkorksten drei letzten Wochenenden in Folge.
Ich stand auf, genoss einen Kaffee und quälte mir eine Schüssel Müsli rein. Ich mag kein Frühstück essen. Mochte ich noch nie. Aber wer bei Kaiserwetter königlich chauffieren will, der muss eben auch frühstücken wie einer. Dazu gab es Fürst Bismarck-Wasser-Granini-Mix.
Punkt halb Neun rollte ich vom Platze. Vor mir lag eine ca. 160 km lange Etappe. Eine letzte Distanzfahrt vor meiner großen Fahrt von Lissabon nach Porto, die nächste Woche ansteht. 160 km heute also. Ich wollte zum Rudower See, ein Idyll - so versprach die Website - mitten in der Prignitz im schönen Land Brandenburg. Eine Fahrt gen Heimat, sozusagen.
Doch zunächst kämpfte ich mich mit der frisch aus der Werkstatt vom 4.000-km-Check überholten Speedmachine durch eine menschenleere Hansestadt, die auch ohne Autos ihre Tücken hat. Aber sich jetzt hier zum x-ten mal über mannstiefe Schlaglöcher, haushohe Kanten "abgesenkter" Radwege und intelligenter Radweg-Verkehrsführung aufzuregen, bringts ja auch nicht.
In Bergedorf, das war mir neu, kann man abbiegen und direkt an einem Arm der Elbe (Norderelbe?) entlangfahren. Das hatte etwas von englischem Park, Central Park und riesen Hundewiese, ist aber sehr entspannend und dürfte für die Bergedorfer eine Oase der Ruhe bedeuten.
Würde nicht hinter einer 10 m hohen Böschung in einigen Metern Höhe die Stadtautobahn entlang brausen. Aber man kann nicht alles haben ... schön ist es dort allemal.
Ich fuhr ein kleines Rennen mit einem Rennradfahrer, das ich trotz beachtlicher Zuladung gewann. Vorbei am Zentrallager des Dänischen Bettenlagers und einigen anderen Industriebauten schoss ich bergabwärts. Etwa 1,5 km zieht sich ab Bergedorf eine wunderschön gebogene, ebene Kurve gen Geesthacht. Ein Traum - und bestimmt eins meiner nächsten Ziele, wenn es um einen neuen Geschwindigkeitsrekord gehen sollte.
In Geesthacht kaufte ich mir bei einem netten Mädel vier Bananen und bemerkte dabei, dass am Hinterrad eine Ventilschraube und die Ventilabdeckung fehlten. Ich habe keine Ahnung, wozu die Teile gut sind, aber ich dachte mir, dass sich ein Unternehmen wie Schwalbe schon etwas dabei gedacht hat, diese Dinger anzubauen.
Also kurvte ich erst einmal ein bisschen in Geesthacht herum, auf der Suche nach einem Fahrradladen (der dann auch hoffentlich offen haben würde). Ein paar ältere Damen, die eine angetaner als die andere von meinem Rad (oder sind es meine Schenkel gewesen, die ihnen muskulös und keck entgegen reckten?), gaben mir dann den richtigen HInweis und schnell fand ich das Geschäft.
Das dann auch noch offen hatte. Sonnenkind, ich. Ein hilfsbereiter Inhaber verkaufte mir sogleich die Teile und bei der Gelegenheit fragte ich gleich mal nach dem Weg. Es folgte eine seitenlange Erklärung, wo und wo nicht ich langfahren solle, ich vergaß natürlich schon nach dem zweiten Satz, wo ich im ersten Satz nochmal hinfahren sollte, aber eines, das blieb hängen:
"Und dann, dann biegen Sie ab und kommen an Krümmel vorbei. Wissen Sie? Krümmel. Das Kernkraftwerk. (Pause) Also, ich denke, das muss man mal gesehen haben ...!"
Muss man nicht, dachte ich mir, gab ihm einen Euro und steuerte wieder auf die B5 Richtung Lauenburg zu.
Die Stadt selbst ist kaum der Rede wert, aber die Abfahrt, die sich ihr anschloss: Wieder ging es über fast 2 Kilometer bergab. Der frische Wind des jungen Morgens ließ einen dünnen Wasserfilm in meinem Gesicht kondensieren, es knallte in den Ohren und das Schaltwerk surrte sein ihm eigenes Frohlocken in die feuchte grüne Böschung neben mir.
Dann fuhr ich ein in die Grüne Hölle. Laubwald, ein paar Lärchen, und immer wieder dichte, grüne Berge aus Blättern. Es türmte sich über mir auf, flirrte in den Augenwinkeln und herrschte über den Himmel, der immer nur kurz durch das Blätterdach zu sehen war. Licht und Schatten spielten ihr Spiel, das umso bewegender wurde, je schneller ich fuhr.
Morgens, wenn der Tag noch frisch ist, der letzte Reif der Nacht herunter tropft und die Bäume noch nicht unter der ätzenden Last stickiger Autoabgase ächzen, ist die beste Zeit, einen Wald zu riechen. Seine Kraft zu spüren und seinen Duft auf der Zunge zu schmecken.
So ging es rasant und doch ein wenig verträumt nach Boizenburg, der ehemaligen Grenzstadt der DDR. Ich erreichte sie und hielt kurz inne - befand ich mich doch auf einem Berg hoch über dem Land. Der Elbberg. Was für eine Aussicht auf die mächtige Elbe, die hier hinter einem Wehr eine riesige Kurve machte und abbog und ganz weit hinten in den Horizont floss. Ein toller Ausblick, wohl einige Dutzend Kilometer weit.
Doch wenig Zeit für eine Andacht.
Ich fuhr weiter.
Und auch dieses mal wurde ich überrascht - mit einer weiteren Abfahrt nach Boizenburg hinein. Kurzer diesmal, aber wesentlich steiler. Hier fand sich dann auch die Stelle der höchsten und der niedrigsten Geschwindigkeit dieser Tour: Bergabwärts 57 km/h und auf der Rücktour 5 km/h.
Es schloss sich eine recht trostlose, meist für Agrar genutzte Landschaft an, die sich erst änderte, als ich Meck-Pomm und Niedersachsen (deren Landesgrenzen ich gleich mehrere Male überquerte) verließ und in Brandenburg einrollte. Die Prignitz hatte mich.
Und das kam er wieder ... der Wald. Doch diesmal, es war schon weit nach Mittag und die Sonne brannte unbarmherzig danieder, kein feuchter, hanseatischer Laubwald. Dieses mal waren es mächtige brandenburgische Kiefern.
Der Wald meiner Kindheit. Sofort holten mich heftige Erinnerungsschübe ein, mit jedem Atemzug, den ich tätigte, mit jedem Mal, da harzgesättigter Sauerstoff meine Lungen füllte und mein Gehirn anregte, längst verschütt geglaubte Erinnerungsfetzen freizugeben. Ich rollte seelig grinsend durch die Kiefern, erfreute mich an weißem Sand, der ab und zu zu sehen war und mich so an meinen märkischen Sand erinnerte.
Und immer wieder diese Kiefern mit ihren hohen, orangefarbigen Stämmen, der ruppigen Rinde unter der das Harz gerinnt und hoch oben, fast 30 m über mir, die Kronen aus frischen, grünen Nadeln, die Schatten spendeten und dem Harzgeruch eine nach Leben riechende Note beimischten. Ein Speedmachine-Flug in die Vergangenheit. Eine Reise in meine Kindheit. Ein Genuss der ganz besonderen Art.
Und irgendwann hatte ich Lenzen erreicht, der Ort, an dem gar nicht weit entfernt, mitten im Wald, ein Campingplatz sein sollte. Und mit ein paar Minuten letzter Anstrengung in sängender Mittagshitze erreichte ich schließlich die Pforte, wo eine flohlockende Berlinerin mir die selbe öffnete und mich herzlich willkommen hieß.
Der Platz fügte sich idyllisch in einen Abhang ein, der zum Rudower See hinab führte. Die Website hatte nicht zu viel versprochen. Der Ausblick war herrlich, die Luft machte Lust auf mehr und vermischte sich nun mit dem feuchten Geruch eines sauberen Waldsees. Das Kreischen planschender Kinder, grüßende Camper und viele Flaggen aus aller Herren (Bundes-)Länder versprühten sofort ein heimeliges Gefühl.
Im Schatten einer Kiefer zwischen alten, vom Regen blank geputzten Wurzeln, schlug ich mein Zelt auf, streifte die schweißnassen Radklamotten ab und duschte erst einmal ausgiebig in den nagelneuen und vorbildlich gepflegten Sanitäranlagen des Platzes.
Einen 2 km-Waldspaziergang zum nächsten Restaurant, ein schweres Maredo medium und zwei Pils später saß ich wieder am See, hatte mir eine Bank direkt am Ufer gesichert.
Ich zog überflüssige Klamotten aus, verfluchte meine Schusseligkeit ob der vergessenen Badeklamotten, streckte meine brennenden Waden von mir und sah langsam die Sonne untergehen.
Wenn der Erholungseffekt dieser kleinen Tour nicht eh schon im feuchten Laubwald bei Geesthacht eingesetzt hatte, dann tat er es jetzt.
Entspannen.
Atmen.
Fast meditativ - nur da sein.
Ein Gefühl, das man nicht beschreiben kann.
Ein Gefühl, das nur nachvollziehen kann, wer sich nicht in einer Blechbüchse mit 200 km/h über schnurgerade Autobahnen jagt, sondern es sich mit seiner eigenen Körperkraft erfährt.
Dann war Nacht.
Die Grillen zirpten mir eine Gutenachtgeschichte.
Der Schlaf kam schnell und tief.
Gefahren: 158,62 km in 6 h 28 min bei 24,5 km/h Schnitt
Hinweis: Tag 2, die Rückfahrt, lesen Sie im folgenden Beitrag. Sie finden diesen auch rechts in der Navigationsleiste.
Lars ....
Unknown
0
Kommentare
HH - Rudower See, Tag 2: Von einem Kribbeln zum anderen.
Es war zumindest nicht die Sonne, die mich wach kitzelte. Und von seichtem Luftzug konnte in dem stickigen Zelt, das sich langsam aufzuheizen begann, keine Rede sein. Die Nacht war, naja, gewöhnungsbedüftig. Denn es hatte den Anschein, als hätte die Kiefer, zwischen deren Wurzeln ich mein Zelt aufgeschlagen hatte, über Nacht noch ein paar besonders knöcherige ausgetrieben - und das natürlich genau unter meiner Isomatte.
Zudem entpuppten sich meine Zeltnachbarn - das war mir vor lauter romantischer Verzückung gestern abend gar nicht so bewusst geworden - als ein ziemlich lebensfrohes Ehepaar aus Leipzig, die ihrer Campinglust nach gewohnt und geliebt mundartlicher Manier Ausdruck verliehen.
Gegenüber, das heißt, neben dem Campingplatz, befand sich ein christliches Begegnungszentrum, in dem bis in die späte Nacht hinein mehr oder weniger begabte Sänger ihrer religiösen Verzückung mit Chorgesängen und Klassikern des Geospelgesangs fröhnten.
Ich weiß nicht, was ich schlimmer fand - aber als toleranter Mensch soll doch jeder nach seiner Fasson glücklich werden.
Gerade hier, am Idyll im Wald.
Und so stand ich ächzend auf - mittlerweile war es 6:30 Uhr und da kann man das ja schonmal machen, zumal ein Rest der beiden großen Pils von gestern Abend sich brennend bemerkbar machte und unbedingt in die gepflegte Keramikschüssel des Sanitärhauses wollte.
Ich trat nach draußen.
Schüchtern versteckte sich die Sonne noch hinter den Wipfeln der Kiefern. Dafür war es still. Fast jungfräulich dieser Tag. Bereit, von mir erobert zu werden. Zähneputzen war angesagt.
Als ich wiederkam bemerkte ich etwas Seltsames an meinem Zelt. Schon von weitem fielen mir unzählige, komische schwarze Punkte auf. Beim Näherkommen erkannte ich es: Ameisen.
Eine ganze Armada.
Tausende mochten es sich da auf meinem Iglu bequem gemacht haben. Und das Verblüffendste - sie bewegten sich nicht einmal. Schliefen wohl alle noch, träumten wohl von einem perfekten Riesenbau. Es sei ihnen gegönnt - mein Heim soll auch Euer sein. Was nur gerecht war, denn anscheinend hatte ich meine Zeltplane genau auf ihrem Bau aufgestellt.
Nachdem ich die Meisen mit einem Wisch von meiner Plane und aus ihren insktoiden Träumen befördert und alles zusammengepackt hatte, verließ ich Punkt 7 Uhr den Platz.
Ohne Kaffee.
Ohne etwas gegessen zu haben.
Wie war das doch gleich mit dem Kaiserfrühstück?
Ich nahm mir vor, bei der nächsten Tankstelle eben dieses nachzuholen.
Doch erstmal musste ich mich durch den Wald kämpfen. Kein Auto auf den perfekten Asphaltstraßen. Und so genoss ich das Gefühl, allein auf der Welt zu sein und fuhr Slalom zwischen den Fahrbahnmarkierungen, fuhr mitten in der Mitte einer B-Straße und stellte mir vor, gleich abzuheben mit der Speedmachine, wenn es einmal heftig bergab ging und ich an Fahrt gewann.
Es war ein besonderes Gefühl, so allein durch die Wälder fliegen zu können. Und ich hätte es wohl auch weit mehr genießen können, wenn da nicht langsam das verpasste Frühstück seinen Tribut forderte.
Ortschaft um Ortschaft wechselte sich ab. Mittlerweile knurrte es immer heftiger in meinem Bauch. Das Steak war längst schon verdaut und sein wertvolles Protein an die nach Eiweiß schreienden Muskelstränge meiner Schenkel und Waden verteilt.
Nachschub, rumorte es in meinem Bauch, Nachschub!
Doch keine Bäckerei hatte geöffnet. Zu früh. Zu viel Sonntag. Zu tiefes Brandenburg.
Eine Tankstelle musste her. Eine Aral, mit einem fetten Bistro. Das stellte ich mir nun vor: 3 Donuts, schön frisch und saftig, vor Fett fast triefend. Dazu einen großen, süßen Macchiato.
Aber es kam nichts.
Schon 20 km gefahren, und so hungrig, noch schläfrig.
Ich rettete mich von Kurve zu Kurve, langsam wurde es unangenehm. Denn mit leerem Bauch - das weiß ich jetzt nun auch - fährt es sich wirklich richtig scheiße. Wieder ein Dorf. Und wieder nichts. Wieder einen Wald passiert. Und wieder nichts. 40 km gefahren. Schon den zweiten Corny gegessen, was aber auch nichts half. Denn langsam ging auch die Wasserreserve zur Neige.
Da endlich - Neuhaus, die erste wirklich große Gemeinde. Und da fand ich sie, die Tankstelle meiner Träume! Wo es zwar keine Donuts (oder sonstiges Gebäck) aber wenigstens den Kaffee gab. Den ich genoss. Wärmend rann das süße Gebräu die Speiseröhre hinab, schmeichelte meinem Gaumen, erweckte auch den letzten Rest aus dem Schlaf.
Ich hatte 58 Kilometer hungrig strampeln müssen, um in diesen Genuss zu kommen.
Gestärkt und guter Dinge ging es an den Rest der Tour. Vorbei an der Löcknitz, die sich vor Morgennebel dampfend einige Kilometer neben mir entlang schlängelte. Wieder durch die schönen Kiefernwälder, deren Duft um diese frühe Tageszeit noch intensiver wirkte, vorbei an Deutschlands größter Binnendüne, an endlosen goldenen Getreidefeldern und eins ums andere mal über kleine und größere Nebenarme von Mutter Elbe.
Was sich gestern als Segen heraus stellte, das war heute Garant für große Augen und Zähnezusammenbeißen: Denn wer einen Berg hinabrollt, der muss ihn früher oder später auch wieder hinauf. Und da ich gestern mit so manch rasanter Abfahrt belohnt worden war - ein Kredit - musste ich diese heute wieder hinauf. Und zwar sie alle. Alle Abfahrten, das war mir klar, denn ich fuhr die selbe Strecke wie gestern. Zeit, den Kredit abzuzahlen. Radlerschicksal, aber weniger erschreckend, wenn man es philosphisch nimmt.
Und so schraubte ich mich zunächst die Mörderabfahrt in Boizenburg wieder hoch. Ohne Radweg im kleinsten Gang bei mickrigen 5 km/h, schwitzend, kein Fahrtwind der kühlt und ständig ein Auge im Rückspiegel ob sich nähernder Autos - keine schöne Sache. Aber eine, die dazugehört. Redete ich mir immer wieder ein.
Oben angekommen, den Elbberg retour, passierte ich wieder den ehemaligen Grenzübergang, der mithin als Imbiss "Checkpoint Harry" genutzt wird. Eine Grenzwurst wollte ich mir aber nicht gönnen und lenkte die Speedmachine auf niedersächsisches Gebiet, wo schon drohend der Anstieg nach Lauenberg am Horizont lauerte.
Aber auch das war überraschenderweise kein großes Problem. Ruhig und gelassen, meinem eigenen Rhythmus folgend, trat ich rund in die Pedale und schob mich mitsamt meiner Ausrüstung liegend die schiefe Ebene empor.
Da kam ich an einer riesigen roten Rose vorbei. Zunächst hielt ich sie für eine optische Täuschung. Dann überlegt ich kurz, ob ich im Time-Tunnel der Grünen Hölle vielleicht geschrumpft worden wäre. Alles Quatsch - aber ein Foto war es mir doch Wert.
Als ich aussteigen und es machen wollte, wurde mir erst richtig bewusst, welche Anstrengung die Fahrt mit all ihren Anstiegen bis hierher war - zumal ja noch 160 km vom Vortag in den Strängen brannten.
Ich ließ mich ächzend in den Sitz fallen und brachte mühsam die Speedmachie und mich in ihr auf Fahrt. Als groß und bunt im Rückspiegel ein Rennradfahrer auftauchte. Er setzte gerade zum Überholen an.
Muskeln im anaeroben Bereich?
Schmerzen?
Keine Puste?
Zwicken in den Knien?
Drau gesch****! Ich lasse mich nicht überholen. Zumindest nicht kampflos.
Also gab ich Gas. 25 km/h in den Steigungen (mit meinem Gepäck eine Knochenarbeit), knappe 40 km/h, wenn es einmal bergab ging. Und da hatte er keine Chance. Anfangs versuchte er noch, sich in meinem Windschatten anzusaugen - da ich aber mit der tiefen Speedmachine kaum einen solchen produziere, gelang ihm das nicht. Bergab und auf den Geraden fuhr ich ihm davon, aufholen konnte er bei den Steigungen. Aber immer nur so weit, bis der Kamm erreicht war, zu dem ich mich verbissen hoch prügelte. Dann half ihm auch das Aufstehen aus dem Sattel nichts - ein Liegerad kann man nicht einholen. Basta!
Unser kleiner Kampf zog sich bis Geesthacht hin, wo der Rennradler irgendwann entnervt abbog. Ich freute mich - denn dieser mit einem leichten High-Tech-Rad und ohne Gepäck ausgerüstete Mann, dessen dicke Waden fast meinen gesamten Rückspiegel ausgefüllt hatten, hatte mich nicht einholen können. Mein stiller Triumph währte allerdings nur kurz - schnell merkte ich, wie sehr diese sinnlose Wettfahrt meine letzten Kraftreserven verbraucht hatte. Schwer atmend erreichte ich (endlich!) ein Aral-Bistro, das mich mit einer riesigen Wurst und viel Trinken versorgte.
Die letzten 50 km vergingen wie im Fluge. Oder eher, wie in Trance.
In Hamburg selbst musste ich noch einmal Obacht geben, denn der Triathlon war in vollem Gange. Aber schließlich erreichte ich mein Niendorf, konnte entladen, duschen und mir einen schönen heißen Kaffee machen.
Tolle Fahrt - und genau das richtige Abschlusstraining für Portugal. Vor der iberischen Steilküste, harten Atlantikwinden und der fiesen Südsonne muss ich nun keine Angst mehr haben.
Oder doch? Jedenfalls kribbelt es ganz gewaltig in den Waden - in einer Woche um diese Zeit werde ich in Lissabon aufbrechen.
Gefahren: 151,41 km in 6 h 21 min und 23,9 km/h Schnitt.
Tour gesamt: 310 km
Lars ....
Unknown
0
Kommentare
