29 Juni 2008

Die schönste Stadt der Welt ...

... wahrlich, das kann man schon mit Fug und Recht so sagen, die schönste Stadt der Welt ist Hamburg. Selbst wenn es stürmt und regnet, ist dieser Perle an der Elbe etwas wildromantisches abzugewinnen.
Umso herrlicher alles natürlich, wenn die Sonne scheint.
So wie heute.

In den Tag gestartet mit einem nicht so üppigen Frühstück, dafür ausgeschlafen bis 9 Uhr. Die Sonne stand bereits hoch oben, schon über 20 Grad im Schatten - wen es da noch im Bett hält (gilt nur für Singles), der hat einen Schaden.

Halb Hamburg war von THW-Leuten umstellt, die Polizei hatte ganze Stadtteile abgesperrt - Halbmarathon. Am Hafen stand ich eine Weile da und sah die Massen sich abmühen, wie sie schweißgebadet persönlichen Rekorden nachjagten, durchhalten wollten oder einfach nur "Dabeiseinistalles" machten. Als es mich auch endlich packte und ich wieder losfuhr. Richtung Blankenese, die Sonne im Rücken, den Wind im Gesicht.

Zunächst ein neuer Geschwindigkeitsrekordversuch auf der Palmaille - leider ob des neuerlichen Windes fehlgeschlagen. 60 km/h glatt. Aber die 70 schaffe ich auch noch, keine Sorge.

In Neumühlen auf die Fähre gerollt und drüben in Finkenwerder am Deich entlang, an Schiffstanklagern, Containerlagerkomplexen und allerlei bunten Industrieflächen vorbei. Als ich vor der Köhlbrandtbrücke stand - für Radfahrer leider gesperrt - kehrte ich um.

Neumühlen wieder an Land gegangen und an der Elbe entlang ging es zurück. Alster bei schönstem Wetter umrundet. Mittlerweile sah man nur noch vereinzelt Läufer traben. Meine Hochachtung, Jungs & Mädels - bei der Hitze sicher kein Spaß (ich habe ja wenigstens noch den Fahrtwind).

Beim Endspurt nach Hause wieder einen penetrant hupenden Radwegnazi-Rentner in seinem Sonntagsauto mit obszönen Fingergesten beleidigt um dann später glücklich, hungrig und um einige wundervolle Eindrücke dieser tollen Stadt bereichert wieder in den Keller zu rollen.

Gefahren: 55,2 km in 2 h 27 min und 22,5 km/h Schnitt.

Und heute Abend werden wir Europameister!

28 Juni 2008

Fastest human-powered Lars ever ...

Aber zunächst mal: Alles Gute, H.H., herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag und großes Schade, dass ich nicht kommen konnte. Aber heute morgen sah es mies aus - fieser Sturm im Rücken, der noch fieseren Sprühregen vor sich herpeitschte. Die Hinfahrt nach Schwerin wäre kein Vergnügen gewesen - nass + kalt. Die Rückfahrt noch viel weniger - stürmisch + langsam.

Und so raffte ich mich wenigstens zu einer Ehrenrettungsrunde auf: 45 km durchs stürmische Hamburg. Und nachdem ich endlich warm war - gut getimed - stand ich oben, am Anfang der Palmaille.

Den Wind im Gesicht, aber das machte nichts. Ich trat in die Pedale. Kurbelte mich in weigen Umdrehungen in den höchsten Gang. Ein Blick in den Rückspiegel - kein Auto. Freie Bahn bis unten. Gut ein Kilometer steil bergab zum Museumshafen.

Wütend fauchend knallte der Wind in meinen Ohren. Die Schenkel überschlugen sich, trieben kraftvoll die Speedmachine an. Ich kauerte mich in meinen Sitz, wollte dem Wind so wenig Angriffsfläche wie möglich bieten.

Das Tacho, es zeigte 55. Mehr, mehr, ich will mehr!

Fauchend mein Atem, Schläge aus Wind im Bauch, das Surren des Schaltwerks zum konstanten Dröhnen geworden, das Grau des Asphalts, der nur wenige Zentimeter unter mir wie Sandpapier vorbeiflog, es verschmolz zu einem einzigen Strom. Ich gab alles.

60 km/h. Palmaille zu Ende.

Fastest human-powered Lars ever! Ein tolles Gefühl. Sonne im Gesicht, Schweiß strömt unterm Helm, tropft auf die Augenlider, am Straßenrand bleiben Touristen stehen, glotzen, als flöge da Jan Ullrich heran, Kinderfinger verfolgen mich. Ich bin glücklich.
Sechzig Kilometer pro Stunde. Zwar bergab, aber ... trotzdem sauschnell.

Zurück nach Hause gings gemächlich. An der Alster entlang, halb Hamburg auf den Beinen. Letzter Sprint heim. Schöne Tour. Nicht zur Geburtstagsoma, aber dafür mit Geschwindigkeitsrausch.

Gefahren: 46 km

26 Juni 2008

Ein ganz neues Gefühl - und Deutschland ist im Finale!

Was für ein Wahnsinn! Über weite Strecken haarsträubend, aufregend allemal, dabei immer mitreißend, emotional aufwühlend und die ganze Konzentration abfordernd. Herrlich! Ein Wechselbad der Gefühle.

Und ein ganz neues Gefühl dazu - endlich da zu sein, mithalten zu können und das richtige Ergebnis zu haben.

Oh, ich rede nicht vom Deutschlandspiel gestern. Ich rede von dem ganz neuen Fahrgefühl auf der Speedmachine, jetzt, wo der Bike-Computer richtig eingestellt ist. Endlich die echten Geschwindigkeiten sehen, die wahren Distanzen ablesen, richtig gute Sprintzeiten zu notieren. So macht das Spaß.

Die selbe Strecke, jeden Morgen. Aber ab heute mit neuem Gefühl. Wie, als hätte man den Booster-Knopf entdeckt und gedrückt, einen neuen, bisher nie benutzten Gang im Getriebe gefunden. Herrlich, so abziehen zu können!

Gefahren: Agentur hin 10,25 km in sprintschnellen 21 min und 29 km/h Schnitt bei ebenerdigen (naja, ein bissel gings schon bergab, aber eben nur ein kli-kla-kleines Bissel) 52 km/h !

Achso: FINAAAAAAAALE! Yeah!

24 Juni 2008

Tadaaaaa: Überraschuuuuuuuung!

Tja, dank meiner überragenden Algebrafähigkeiten, fast schon an göttliche Eingebung grenzende Intuition und die Hilfe von Olli konnte ich mir heute morgen ein ganz großartiges Geschenk machen: Ich habe mich selbst überrascht.

Denn nachdem ich nun endlich meinen Bike-Computer richtig eingestellt hatte, konnte ich zum ersten mal seit mehreren tausend Kilometern meine echten Geschwindigkeitswerte und echte Distanzen ablesen.

Und somit stolz verkünden: Alle Zahlen aller Touren und Fahrten in allen Beiträgen sind falsch. Richtig nämlich wären die 1,2-fachen Kilometerangaben.

Und so bin ich anstelle 3.100 km nun schon fast 3.800 km gefahren. Mel, meine liebste Mel, zu Dir sind es mitnichten nur 630 km, es sind satte 760! Dirk, Blutsbrud, zu Euch ist Herkulars fantastische 240 km an einem einzigen Tag geflogen, möchte man schon fast meinen. Heike, gute Heike, Lars war deshalb so fertig, weil er nicht nur 110 km an diesem Tag, sondern weil er sich 132 km gegen den Wind stemmen musste ... und und und.

Toll. So kann man sich also selbst nochmal eine Überraschung bereiten. Und umso süßer die Erkenntnis, sich unter- anstelle überschätzt zu haben.

Was natürlich nun ein ganz neues Licht auf die Planung der kommenden Touren wirft ... yeah!

Und somit bleibt mir am Wochenende eigentlich nur noch die Auflösung der einen, dringenden Frage: Wo liegt denn nun meine wahre Höchstgeschwindigkeit?

Wir werden es sehen ... Samstag, High Noon, Palmaille Altona.

BANZAI!

23 Juni 2008

Mysteriös, mysteriös ...

... kommen mir langsam die Werte vor, die mein Bike-Computer liefert. Der Anlass: Ich finde mich morgens beim Sprint zur Arbeit im Verkehr den Autos geschwindigkeitsmäßig ebenbürtig wieder - das Gerät zeigt aber nur 40 km/h an.
Oder ich lese auf den Hinweisschildern "Buxtehude 20 km" und bin nach 15 km schon da.
Oder ich fahre wie ein besengter und komme doch nicht über 28 km/h heraus.

Das kann doch alles nicht stimmen?!?

Und klaro, fällt es einem Abitur Grundkurs-Absolventen sofort auch auf, wie kann das Gerät auch akurate Daten liefern, wenn der Radumfang, den man als Grundeinstellung dem Computer eingibt, ja im Grunde gar nicht mit dem Radumfang übereinstimmt, den der Taktgeber gibt? Folgendes Schaubild hierzu:
Also, der Taktgeber wird ja an einer Speiche am untersten Ende derselben befestigt. Nun gibt man im Computer den Radumfang ein, der sich, wie wir alle wissen, aus PI x 2r ermittelt.
Und hier die Frage: Gebe ich als r nun den Radius an, den ich von der Nabe exakt zum Taktgeber habe - oder den Umfang des Rades, also der äußersten Linie?

Bei meinem Radreifen, die dazu eine extrem dicke Felge haben, wären das mehr als satte 5-7 cm Unterschied, die dann den Umfang - wie hier dargestellt - erheblich verlängern und damit das Ergebnis der Anzeige beeinflussen würden.

Wie um alles in der Welt soll ich nun meinen BC einstellen?

Und was ist, wenn ich die ganze Zeit mit 50 km/h durch die Gegend splatattere und es nicht mitbekomme? Was, wenn die 650-Tour sich am Ende als 800 km-Tour heraus stellt?

Da muss es doch ein Rezept geben ... mysteriös, mysteriös ...

22 Juni 2008

Im Liegen ist es viel schöner, Helga!

Recht so. Doch bevor es zu diesem denkwürdigen Satz kam, mussten allerdings erst einmal einige Kilometer gekurbelt und einige Liter ausgedünstet werden.

Es begann beim frühstücklichen Blick aus dem Fenster - Sturm und Gewitter waren angesagt, Böen und blauer Himmel die Realität. Und da ich schon nicht nach Berlin fahren konnte, so wollte ich doch wenigstens einige Kilometer wettmachen.

Austrinken - Anziehen - Anfahren.

Pinneberg war schnell erreicht und mit diesem Hamburger Vorort auch die mithin schlechtesten Radwege. Aber das alles konnte mich nicht schrecken - wollte ich doch diesen Sonntag als weiteren Test für meine anstehende Portugal-Tour nutzen. Denn Hitze, starke Winde und fiese Straßen sind das, was mich aller Wahrscheinlichkeit nach in 3 Wochen dort erwarten wird.

Beständig unter Spannung spulten meine Muskeln das Programm ab - sie traten und zogen kraftvoll an den Kurbeln, sorgten in ihrem präzisen Gleichklang für vorzüglichen Vortrieb trotz teils heftiger Gegenwinde.

Ich genoss die Sonne, die Gerüche, die sich abwechselnd mal würzig wegen der Kiefern am Wegesrand und mal salzig ob der Elbnähe präsentierten. Viele Familien genossen das Wetter ebenso wie ich, der Verkehr überraschend dünn - mir sollte es recht sein.

In Wedel dann, ich hielt an einer Ampel, näherte sich von links ein Liegerad. Der Mann winkte, ich winkte zurück und mit einem freundlichen "Moin, moin" schoss er an mir vorbei, gefolgt von (s)einer Dame auf einem Upright.
Grün - ich fuhr los. Und dachte mir an der nächsten Kreuzung, dass es doch mal ganz nett wäre, eine Runde mit dem Herrn Recumbentfahrer zu schnacken. Also rechts abbiegen - einholen war angesagt.

So jagte ich durchs verkehrsberuhigte Wedel und versuchte den Weg des anderen zu antizipieren. Ich dachte mir, entweder fährt er nach Hamburg oder er kommt von Hamburg und fährt nördlich den Elbe-Radweg entlang. Doch ich fand ihn nicht.

Da stand ich nun wieder an einer roten Ampel, die Sonne brannte auf schweiß-salziger Haut, als neben mir das charakteristische Surren einer Shimano-Schaltung zum Stehen kam: Der Herr Recumbentfahrer. Er hatte mich gefunden.
Wir begrüßten uns, ich wollte etwas sagen, als er mir zuvor kam, auf meine Speedmachine deutete, seinen Kopf in den Nacken legte und zu der Dame, die hinter ihm wartete, sagte: "Siehste, im Liegen ists viel schöner, Helga!"

Sie winkte nur ab. Und drehte, peinlich berührt und genervt, ihren Kopf weg.
Ich musste grinsen - es hat doch was für sich, Single zu sein.

Wir grüßten zum Abschied, ich trat in die Kubeln und schnell waren der Mann auf seinem Jan Cordes-Kurzlieger und Lady Upright im Rückspiegel nicht mehr zu erkennen.

Weiter gings durchs idyllische Blankenese, wobei ich mich fälschlicherweise für den unbequemsten Weg entschied: 1 km Schiebestrecke. Das nervte, zwischen all den Touristen gehen zu müssen, die ständig stehen bleiben, völlig sinnlos die Gehwegseiten wechseln und all die unlogischen Dinge tun, die man eigentlich nicht tut.



Aber dafür genoss ich den Ausblick auf die vielen schönen kleinen Kapitänshäuschen, den Hafen und den wundervollen Elbstrand.

Beim Museumshafen gings dann endlich wieder aufs Rad. Gas geben am Elbufer, wo sich die Angler aufreihten und die Ebbe ausnutzten. Hier fand ich auch die einzige freilebende Feige Hamburgs wieder (was allerdings zu beweisen wäre), eine Entdeckung, die dereinst Anna Laura tätigte. Vóila: Dieses Bild ist nur für Dich:

Weiter am Fischmarkt vorbei, hoch zur Alster und wieder Heim.

Alles in allem eine mittellange Strecke, vorbei an den wesentlichen Sehenwürdigkeiten Hamburgs, sich durch Wald, durch Felder und Wohnghettos windend, flach mit wenig steigungen - eben eine Sonntagsstrecke, die einfach nur Spaß macht.

Und wieder mal die Bestätigung, dass eine Konstante im Verkehr unstrittig Beständigkeit hat: Im Liegen ist es einfach schöner. Vielleicht kommt Helga ja auch noch dahinter.

Gefahren: 51,7 km in 2 h 34 min und schnuffeligen 20 km/h Schnitt

21 Juni 2008

Harte Jungs und Hamburger Muttersöhnchen

Stürmisch weht es dicke weiße Quellwolken über die Stadt. Und stürmisch knallen blank geputzte Maschinen mit ihren Harley-Kerlen durch die Straßen. Die Sonne blitzt auf, wenn sie von den Spiegelbrillen der harten Jungs zurückgeworfen wird - und mittendrinn surre ich durch das Gewusel aus Testosteron.

Wie passend.

Da ich ja nun leider nicht nach Berlin fahren konnte (Na, wäre ich mal, das Wetter ist herrlich, danke, Wetter24.com!), wollte ich wenigstens ein paar Kilometer zur Buße abspulen. Und was liegt da näher, als ganz lässig zum Heiligengeistfeld zu fahren, wo die schweren Maschinen, schick gemacht für die Gunst der Juroren, um die der ordinären Besucher buhlen?

Mal hier geschaut, mal da geguckt, an den Ampeln das milde Lächeln der Lederkerle geerntet, die Reeperbahn im Korso (leider kein Foto machen können! Mist!) entlang geschossen, über Hafen und Alster dann wieder zurück nach Niendorf gegurkt.

Zwischenhalt bei Aral, ein eisgekühltes isotonisches Getränk sollte es sein. Vor mir in der Schlange eine wunderschöne Frau in ihren 40ern - top gepflegte Haare, Armani-Jeans, die unvermeidlichen Perlenohrringe und teure Blahniks. Draußen parkt der Chayenne in weiß - klaro. Neben ihr steht der Sohn - wahrscheinlich Stolz eines alt eingesessenen Hamburger Ruderclubs - riesengroß ist er, ebenso teuer angezogen, gegelte Haare, teures Schuhwerk und Hemd. Aspirant auf einen Vorstandsposten in Dads Unternehmen, man kann mit 22 Jahren ja schonmal üben.

Mama war sauer. Und faltete ihn, während sie die PIN ihrer Gold-Member-Card eingab, verbal zusammen. Schimpfte und schimpfte. Und je mehr der kassierende Tankstellenmann und ich grinsen mussten, desto mehr vergrub sich Muttersöhnchen in den steifen Kragen seines 200 €-Hemds, versteckt sich hinter den eingestickten Initialien.
Als sie den Kassierer dann noch mit "Oder habe ich Unrecht?" ansprach und der in türkisch-deutsch dem Jungen riet "Mama haben immer Recht!" war es geschehen.

Der Stolz der Jungen Union-Eppendorf verkrümelte sich gesenkten Hauptes. Mama stiefelte sexy - aber wütend - hinterher.

Nettes Kontrastprogramm - Harte Biker, weiche Buben und eine kleine Spritztour durch ein wunderschönes, sonniges Hamburg.

Gefahren: 27,38 km in 1 h 22 min und schnuffeligen 20 km/h Schnitt