Tja, wir alle merken es. Am eigenen Leibe. Früh aufstehen ist zur Tortur geworden (irgendwie geht das im Sommer besser, wie ich finde), es regnet nur noch, es ist fies kalt, noch fiesere, kältere Winde blasen einem um die Ohren - Radfahren macht keinen Spaß mehr.
Und so beschließe ich meine Radsaison 2009 und schaue kurz zurück. Bin ich im letzten Jahr noch auf eine Jahresleistung von 7.563 km gekommen, habe ich ein Jahr später schon 9,150 km auf dem Tacho.
Das sind immerhin 21 Prozent mehr. Ich hatte zwar gehofft, wenigstens die 10.000 Kilometer-Marke zu knacken, aber der irgendwie auch nicht so geniale Sommer hat das vermiest.
Trotzdem gab es selbstverständlich einige Highlights. Hier meine Top-Trips:
Scavanger Hunt im Hamburger Hafen
Ach, das war ein Spaß! Zusammen mit der Mauz und unserem französischen Toxy-Liegeradfahrer ging es durch den Elbtunnel zum Verein Fahrradkulturen, der die "familienfreundliche Schnitzeljagd" organisierte. Ein perfekter Tag, viel gelacht, viel gesehen, viel gestaunt - ein toller Auftakt in den Sommer!
Hier geht es zum Blog-Post
My private own Randonneur
Groß waren die Pläne, um nicht zu sagen, hochtrabend: An den 4 Brevets des Schleswig Holsteiner-Randonneurs-Verbandes wollte ich teilnehmen. Beginnend bei 200, dann 300, dann 600 und schließlich 1.200 Kilometer fahren. Nonstop versteht sich.
Es endete auf meiner Terrasse bei einem Beck´s Chilled Orange. Die Story dazu gibts im Blogpost.
Hier gehts zum Blog-Post
Von Rittern und Recken
Wie komme ich ins Schwärmen, wenn ich an diese, durchaus als episch zu bezeichnende Speedmachine-Tour zurück denke. Es ging mehr als 200 Kilometer pro Tag ein Wochenende lang an die Ostsee, Graal-Müritz.
Zusammen mit den Berlinern Olli und Manu erlebte ich ein Liegerad-Märchen, von dem man sich noch lange erzählen wird ...Hier gehts zum Blog-Post
Recumbent Fietsen in Holland
Heißa, das war ein Spaß! In drei Etappen von Hamburg nach Amsterdam, auch über den legendären Aflsuitdijk, wo wir Rennradler jagen und sogar Elton John (siehe unten) abgehängt haben. Was noch so haarsträubendes, komisches und abgefahrenes passiert ist, kann man im Blog-Post nachlesen.
Hier gehts zum Blog-Post
Olsenbande, Dänemark und Kampf dem Wind
Es waren einmal fünf Liegeradler, die sich aufmachten, Jütland zu erobern. Sie ritten in das flache Land ein, in Formation, trotzten dem Wind, ächzten sich an irrsinnigen Steigungen die Lungen heraus und fuhren sich die Waden weich. Am Ende aber war sie perfekt, die Schleife durchs Königreich - und ein ganzes Wochenende mit tollen Leuten.
Hier gehts zum Blog-Post
Außeneinsatz, die Erste: Kanada
Die Rocky Mountains haben gerufen. Ich bin gefolgt. 1.300 Kilometer durch eines der beeindruckendsten Gebirge der Welt. Im olympischen Calgary ging es los, in Vancouver hatte ich sie hinter mir, die Rockys, dachte ich, aber bis Seattle hatte der Bike-Gott noch einige Berge aufgefaltet. 3 Wochen Staunen, 3 Wochen Treten - 3 Wochen, die perfekt waren.
Hier geht es zum Touren-Blog
Japan - Irrsinn pur!
Und weil die Steigungen Kanadas anscheinend noch nicht genug waren, musste ich mir auch noch eines der gebirgigsten Länder der Welt erobern: Japan. Ein 3-wöchiger Trip in ein Land voller Irrsinn, Exotik, Superlativen und viel Schmerz. Der härteste Trip bisher, und ein Blog, an dem ich noch immer zu schreiben habe. Kommt mit ins Land des Recumbent Samurai ...
Hier geht es zum Blog
Tja. Also, das waren sie, die Höhepunkte der Saison. Und nun? Faule Haut? Winterspeck ansetzen? Ach, wohin denkt Ihr! Die Winter-Trainings-Saison geht los. Fit bleiben, fitter werden heißt die Devise.
Also ab auf die Rolle und Kilometer gemacht, Conconi-Tests gerockt und ... das schönste daran: Man hat Zeit. Zeit, Zeit, Zeit.
Zeit, um sich noch beknacktere, ausgefallenere und krassere Touren für das nächste Jahr, für 2010 einfallen zu lassen.
Und eines, das sollte klar sein - 2010 werden wir nicht nur ein Plus von 20 % fahren, 2010 wird ganz einfach das Speedmachine-Jahr werden. Versprochen!
01 November 2009
Die Liegerad-Saison 2009
Lars ....
... constantly in transit.
3
Kommentare
31 Oktober 2009
Orgy in Red.
... naja, eigentlich "Orgy in Orange", aber Chris de Burghs Klassiker passt irgendwie besser zur melancholischen Grundstimmung, die sich in diese wahre Herbstorgie heute gemischt hat: Klares, kaltes Wetter, eine Sonne, die die ganze Stadt mit Licht aus Gold überschüttet hat. Und ich mitten drin.
Das Wetter ist so schön, dass ich noch gestern Abend nach dem Wetterbericht der Tagesschau beschließe, mein anstehendes 10-Stunden-Training auf nächstes Wochenende zu verschieben, um diesen Supertag heute für eine zünftige Abschiedsrunde in Hamburg zu nutzen.
Noch einmal alles sehen, die Heide, den Hafen, die Stadt, die Schiffe und ... einfach Sonne tanken. Gesagt - getan. Und was soll ich sagen? Es war einfach herrlich!
Außen um die Alster herum, es war Stimmung wie im Sommer, unzähige Jollen und Boote tümmeln sich auf Hamburgs Segelrevier und Jogger, Touris und Hamburger gleichermaßen verursachen Staus auf den idyllischen Parkwegen - die Straßen allerdings kommen mir leerer vor als sonst. Sommerstimmung.
Würden sie nicht alle Winterklamotten anhaben und ich nicht selbst unter meiner langen Jeantex-Kombi die gute Woll-Unterwäsche tragen, man könnte das hier für Juli halten.
Die Fontäne der Binnenalster bespritzt den Himmel, der wiederum in makellosem Blau glänzt und die perfekte Bühne abgibt für eine Sonne, die zwar nicht sonderlich wärmend, aber doch verschwenderisch großzügig ihre Strahlen über die Stadt schmeißt.
Der Sandstein des Rathauses schimmert wie Platin, die Fassaden der schicken Einkaufsmeilen funkeln wie Brillanten, selbst profaner Asphalt changiert verführerisch. Es macht Spaß, zu treten, obschon meine Knie schmerzen, schon nach wenigen Kilometern.
Steckt da etwa eine harte Saison in ihnen? Vielleicht sollte ich ihnen erst einmal eine längere Regenerationsphase gönnen? Aber ... nicht heute.
Unser Michel, stolz, über 100 Meter hoch und - so habe ich gestern noch gehört - endlich nach 26 Jahren ununterbrochener Sanierung das erste mal ohne Gerüst. Ich stehe eine Weile da, liege in der Sonne, atme mit Dampf. Ein perfekter Tag.
Klar, dass ich zum Hafen muss.
Ich fliege an den Landungsbrücken vorbei, fege über den Fischmarkt, wo sich schon erste Händler auf morgen früh vorbereiten, vorbei an Blohm & Voss, wo ein riesiger Frachter der Afrika-Linien im Trockendock liegt und hechte die Treppenstufen zum Dockland-Haus hinauf.
Denn hier oben hat man den besten Ausblick.
Herrlich, diese Stimmung. Ich muss mich revidieren - nein, nein, das ist nicht wie im Juli. Diese Stimmung bekommt nur der Herbst hin. Eine unverwechselbare Patina, die auf allem liegt, dieses goldene, der Schimmer, eine leicht traurige, bedrückende Stimmung, ein Grundrauschen wie ein Seufzer - die Erkenntnis, dass das der vielleicht letzte Tag des Jahres mit Plusgraden sein könnte.
Ich atme durch, blicke hinüber zur Köhlbrandtbrücke, sehe, wie die Fähren immer neue Touris an den Piers ausspucken, andere einsaugen. Es ist komisch, denke ich, in ein paar wenigen Wochen, Tagen vielleicht, wird hier Schnee liegen, und wenn kein Schnee, dann doch sicherlich der eisige Hauch eines unerbittlichen Winters.
Und dann, so weiß ich, wird es kein Liegerad-Spaß mehr geben. Zumindest nicht hier, hier draußen an der Luft.
Ich schieße weiter Richtung Elbstrand, ein eisiger, straffer Wind treibt mich an, genauso, wie er den Skipper eines Bootes zum Kreuzen vorwärts schiebt. Er in den Hafen - ich kehre Hamburg erst einmal den Rücken.
Kämpfe mich die Blankeneser Berge hinauf, schwitze in der Kälte, heize heiß durch Alleen aus goldenen Bäumen. Rot, Orange, reich, satt und bunt blitzt es neben mir, wenn ich die Bäume abfahre, eine Parade aus Ocker, eine Orgie, eine wahre Orgie des Herbstes.
Es duftet würzig, unter meinem Liegerad knistert feuchtes Laub, wenn ich auf dem feuerfarbigen Teppich hinabschieße auf der anderen Seite, hinab nach Wedel. Dort drehe ich wieder in den Wind. Habe kalten Rotz am Kinn, ständig tränen die Augen. Heiße Brust vorn, kalter Schweiß hinten. Radfahren, wie es nur im Herbst möglich ist. Ein Wechselbad, kalt-heiß, nach Kneipp.
Nach zweieinhalb Stunden komme ich daheim an. Es war nicht meine schnellste - aber bestimmt eine der emotionalsten Trainingsrunden, denke ich mir, als ich der Speedmachine im Wohnzimmer den hinteren Schnellspanner entnehme und das Trainings-Stück einsetze, mit dem ich sie in die Rolle einspannen kann.
Das heute, wird mir klar, waren die letzten Kilometer auf meinem Liegerad in 2009.
Gefahren: 60 km in 2:33 Stunden mit gemütlichem 23er Schnitt.
Lars ....
... constantly in transit.
0
Kommentare
26 Oktober 2009
Neuer Trainingsplan. Für Projekt X.
Im nächsten Jahr plane ich einen Wahnsinns-Trip.
Unzählige Horror-Kilometer.
Schmerzende Schleifer-Meilen.
Blut-Etappen eben.
Mal wieder. Was sonst?
So wird es werden. Ich will an meine Grenzen gehen, diesmal richtig. Will den Abgrund sehen, tief hinabblicken. Will gebrochen werden. Und mich wieder aufrichten. Will es durchstehen, ankommen. Und Sieger sein.
Was ich vorhabe, wird nicht bloß "Radtour" sein. Kein Urlaubstrip. Was ich vorhabe, wird wie die Tour de France sein, nur länger. Was ich machen will, wird wie der Giro sein, nur mehr Etappen haben. Was ich machen will, wird die RAAM sein. Nur ... ähm, naja ... dann doch nicht ganz so extrem.
Was wäre also - habe ich mir gedacht - wenn man sich zum Ziel machen würde, täglich 200 Kilometer fahren zu wollen? Wie könnte man das schaffen?
Mit System, wäre die Antwort. Mit einem klugen System. Ja. Dann, ja.
Also, fangen wir mal so an: Im Ausdauerbereich, bei mir also alles rund um 140 bpm, leiste ich auf der Rolle bei perfekten Bedingungen und Slope 0 genau 25 km/h und um die 125 Watt.
Am Stück durchhalten kann ich die Geschwindigkeit (auf der Rolle, also ohne kurze Ampelpausen, mal rollen lassen usw.) für 1 Stunde, sicher auch länger, aber wir wollen ja nicht nur einen einzigen Tag überbrücken, sondern mehrere, viele Etappen.
Nach dieser einen Stunde also müsste ich einen Gang zurück schalten, um bei 120 bpm, meiner Regenerationsfrequenz, etwas Luft zu schnappen.
Zu krass, um damit 200 km zu fahren. Wie gesagt, bei einem Wochenendausflug geht das. Da geht auch mehr - so wie bei meinem Radmarathon nach Graal-Müritz. 230 km bei 26er Schnitt am Samstag, 220 km bei 25er Schnitt am Sonntag. Aber das waren ja nur zwei Tage. Ich aber will das 20 Tage lang aushalten.
Aber hey. Wie wäre es denn, wenn man gleich im grünen Regenerationsbereich fahren würde? Dauert zwar länger, aber es ermüdet auch nicht so.
Denn da müsste ich nur 90 Watt leisten, fahre mit dieser Leistung genau 20 km/h und kann dies ewig durchhalten (glaube ich). Theoretisch wären das also 10 Netto-Fahrtstunden für 200 km.
Aha.
Übersetzte man das in einen Fahrtag, so käme man auf ein interessantes Konstrukt: Nehmen wir mal an, ich stünde 6:30 Uhr auf - was nicht unrealistisch ist. Dann käme ich, da ich ja ein ganz Schneller bin, auf eine Abfahrtszeit von 7:30 Uhr.
Und nehmen wir an, ich fahre nun strikt auf 20 km/h Schnitt - sonst fahre ich auf "alles was geht" - dann könnte ich vormittags 5 Stunden fahren, würde alle Stunde 15 Minuten (Pinkel-)Pause halten und wäre 13:45 Uhr mit der Hälfte des Fahrtages durch.
Mittagspause - und dann geht es noch einmal von vorn los.
So - das zumindest denke ich - könnte man Tagesetappen von 200 Kilometern auch über längere Zeiträume aushalten. Und nehmen wir an, wir würden alle 3 Tage einen Ruhetag einlegen, den wir zur Regeneration nutzten, könnte man so, da man vorrangig im niedrigen Belastungsbereich der Regeneration fährt, richtig viele Etappen über einen längeren Zeitraum absolvieren.
Theoretisch.
Toller Plan, Lars.
Und nun?
Tja. Und nun muss ich das ganze halt am Wochenende mal ausprobieren, schätze ich ...
Lars ....
... constantly in transit.
11
Kommentare
22 Oktober 2009
Celebrating Celeste: Die Idee
Nun ist das ja oft so. Ja, auch bei uns Männern. Ab und zu. Von Zeit zu Zeit. Da ... da ... kann man sie einfach nicht mehr sehen, die alten Kleider. Einst flippige, hippe Schnitte werden auf einmal fad. Klasse Farben, die vorhin noch in waren, sind nun nur noch out.
So ist das bei mir und meiner Speedmachine auch. Nein, nein, nicht, dass Ihr denkt, mir gefällt das Liegerad nicht mehr. Das ist nachwievor die beste Anschaffung ever. Nur. Naja. Nur eben die Farbe, die kann ich nicht mehr sehen.
Hinzu kommt - und da darf man, glaube ich, auch mal ehrlich sein - dass so ein klasse-rassiges Rennrad schon irgendwie etwas Tolles hat. Irgend eine Aura. Ein Nimbus.
Einen Nimbus, den die (viel tolleren Liegeräder) niemals haben werden.
Nehmen wir zum Beispiel mal Bianchi. Ah, was für ein Name! Was für eine Geschichte - 1885 gegründet! Das sind Rennräder der ersten Stunde, Erfinder der Vorderradbremse, Erbauer des ersten Pedelecs. Auf Bianchi fuhren sie alle - die Heroen der Staubstraßen, die Dopingsünder, tausende Amateure. Fausto Coppi. Jan Ullrich. Tour de France-Schlachten wurden mit Bianchis ausgetragen. Eine unvergleichlich spannende Geschichte. Eine Marke, die ich verehre.
Und hey - denke ich mir, als ich mir mein HP Velotechnik beschaue - warum mache ich aus der Speedmachine nicht ... ein Bianchi? Und da ist sie auch schon in meinem Kopf, die Idee von der HP Velotechnik Speedmachine Edizione Bianchi.
Gesagt - getan. Schon sind sie fertig, die Skizzen. Ein Traum in Celeste und Weiß soll es werden. Mmh. Herrlich - edel. Ich liebe es, kann es schon gar nicht mehr erwarten, mein Rad zum Pulvern zu geben.
Gabel und Schwinge werden ins Weiß auslaufen, um meinen rot eloxierten Speedhub und den (geplanten) SON zur Geltung zu bringen. Gibt es die Kettenleitrolle auch in Weiß? Die Kettenschutzrohre auch? Und was ist mit den Brems- und Schaltleitungen? Den Schutzblechen?
Fraglich ist noch der exakte RAL-Ton für Bianchis Celeste-Farbe. RAL 6027 kommt dem sehr nahe, ist es aber wohl nicht. 6033 oder 6034 könnte es auch sein. Auch die Wikipedia-Angabe eines Hex-RGB-Wertes von 8CDFD6 ist eher vage. Man müsste mal mit einem RAL-Fächer zu einem Bianchi-Händler gehen.
Celeste hat sich über die Jahrzehnte ja auch verändert ...
Ach Jungs, wie toll ist dieses Projekt! Diesmal keine Tour, in die ich all meine Planung, all meine Energie und (leider auch) all mein Geld stecken kann. Meine Speedmachine bekommt neue Kleider.
Oh, halt mal! Dann brauche ich sie natürlich auch ... die neuen Kleider. Aber da hat Bianchi ja auch paar schicke Shirts und Shorts im Angebot.
Ich bin dann mal bei der nächsten Lotto-Annahmestelle ...
Lars ....
... constantly in transit.
3
Kommentare
21 Oktober 2009
Puls vs. Watt
Ach, das war herrlich! Schon dunkel war es, gestern, als ich nach einem mehr oder weniger stressigen Tag nach Hause komme, meine Klamotten in die Ecke feuere und mich umziehe. Einfach schnell in die Bikehose, das Craft-Shirt über, 20 Liegestütze (wir wollen es ja nicht übertreiben) zur Aufwärmung und dann ins Liegerad eingeklinkt.
Mucke laut. Los gehts!
Die Rolle surrt, die Pulsuhr funkt und mein Stift fliegt über das Notizblatt. Alle fünf Minuten halte ich Herzfrequenz und Wattzahl fest: Yep, das Wintertraining hat begonnen.
Nachdem ich ja nun im letzten Jahr meine Tacx-Rolle, die Pulsuhr und das Trainieren nach Wattbereichen auf rund 1.200 Rollenkilometern ausgiebig getestet habe, will ich in diesem Jahr etwas Neues probieren: Das Training nach Pulsbereichen.
Joe Friel gibt in seiner "Trainingsbibel für Radsportler" genaue Tabellen mit, mithilfe derer jeder, der seine Laktatschwelle bestimmen, auch gleichzeitig GA 1, GA 2, anaerober Bereich und und und ablesen kann - und mehr noch, je nach Jahresziel, kann man sich so sein individuelles Trainingsprogramm zusammen stellen.
Meins sieht so aus: 5 Sessions pro Woche, das macht 9 Trainingsstunden. Weniger, als wenn ich im Sommer meine Speedmachine "echt" fahre, aber Rollentraining ist dafür gleichförmiger, deshalb anstrengender. Habe ich jedenfalls das Gefühl.
Drei unterschiedliche Sessions habe ich für mich festgelegt:
Di, Mi und Fr trainiere ich jeweils eine Stunde. Das geht gut nach dem Job - 19 bis 20 Uhr. Perfetto zur Tagesschau fertig. Sa und So, am Wochenende, wo ich Zeit habe, dann jeweils 3 Stunden.
Die Intensität ist auch einfach - Di und Mi im Bereich GA 1 mit zwei Leistungsspitzen im oberen Pulsbereich, Do eine Stunde nur GA 1 und das Wochenendtraining - länger und dadurch schonmal härter - zielt auf viel Ausdauer ab.
Ich bin Tourenfahrer und will mich da verbessern, alles nahe der Laktatschwelle und darüber hinaus interessiert mich nicht so sehr. Sprinten tue ich eher selten.
Mo und Do dann Regenerationstage. Die braucht man auch.
Was ist das Neue am 2009er-Training? Im letzten Jahr noch bin ich nach "Watt pro Zeit" gefahren. Das heißt, ich habe bei einem 7er Slope (die Rolle simuliert 7 % Steigung) bestimmte Wattzahlen für mich festgelegt, die ich "gut" fand. Dann bin ich für bestimmte Zeitabschnitte diese Wattzahlen gefahren, habe meine Herzfrequenzen notiert.
Das war cool, hatte aber den Effekt, dass ich im Training immer versucht habe, bewusst meine Herzfrequenz so niedrig wie möglich zu halten. Denn ich will pro Herzschlag ja maximale Wattzahl.
Nun trainiere ich genau umgedreht - auf Basis meiner ermittelten Laktatschwellen-Herzfrequenz kann ich mit Friel´s Tabellen meine Puls-Leistungsbereiche ermitteln. Also beispielsweise liegt mein GA 1 bei 138 bis 151 Schlägen/Minute.
So habe ich nun meine Stunde Trainingszeit mit obigem Profil einfach um meine Herzschlag-Bereiche ergänzt. Und nun halte ich für bestimmte Zeiträume meine Herzfrequenz - und damit richtet sich die Wattzahl nach dem Puls. Nicht umgekehrt.
Ich achte nun nicht mehr krampfhaft darauf, meinen Puls so niedrig wie möglich zu halten, sondern fahre nur nach Uhr und Pulsmesser. Wesentlich entspannter. Und beugt auch dem Übertraining vor - die meisten trainieren viel zu hart, laut Fachpresse.
Und das kann ich bestätigen: Gestern war es wesentlich entspannter, als im letzten Jahr. Zwar schwitze ich immer noch wie ein Schwein, aber es ist weniger Stress. Obwohl, hey, das war gerade meine erste Session dieses Jahr. Mal sehen, was ich nach meinem ersten 3-Stunden-Training sage ...
Lars ....
... constantly in transit.
0
Kommentare
17 Oktober 2009
Wintersaison ´09: Der erste Conconi-Test
Wenn ich ehrlich bin, zu mir, zu Euch, dann muss ich eines eingestehen - ich hasse Regen. Ich hasse Kälte. Und das, was sich hier über Hamburg zurzeit abspielt ist nun wirklich nicht nach meinem Geschmack. Wahrlich, ich bin ein Tropenradler. Schön schwitzen, schön in der Sonne brutzeln. Das ist mein Metier. Ist wohl so.
Soll aber nicht heißen, dass ich nun, da der Winter naht, untätig bin. Im Gegenteil, ich bleibe nur lieber in meiner Wohnung, in meiner warmen Wohnzimmer, wo ein großes TV eine flotte DVD abspielt, meine Stereoanlage treibende House-Rhythmen in die Ecken knallt und ich in gewohnter Speedmaschinisten-Uniform meiner Pilotenarbeit nachgehen kann.
Und wie schon in der vergangenen Kältesaison freue ich mich, stolzer Besitzer eines Tacx-Ergotrainers zu sein und beginne - nach gemütlichem Ausschlafen natürlich - meine Speedmachine in die Rolle einzuspannen, das digitale Ergometer zu justieren, den Sigma-Pulsmesser einzustellen und freue mich auf meine erste Trockensession.
Und so schaue ich mir mein neues Cockpit an: Links der Pulsmesser, empfängt drahtlos die Herzdaten meiner pochenden Brust, rechts die Ergometersteuerung - Watt, Slope (also die Steigung) und die Zeit. Neben mir, auf meinem schicken Wohnzimmertisch, wie immer, lecker Schorle, Radfahrer-Super, und mein Notizblock, auf dem ich wieder die Daten meiner Session notieren werden. Klar, das geht alles auch automatisch, aber etwas möchte ich ja auch noch zu tun haben.
Gesagt getan - umgezogen, bereit zum ersten Test. Senjor Conconi muss es sein, getreu nach Joe Friel, dem Trainingspabst der Ausdauersportler. Wie schon im letzten Jahr möchte ich wissen, wo meine Laktatschwelle ist. Haben die knapp 8.000 Kilometer der Sommersaison 2009 etwas an meiner Kondition verbessert? Ich bin gespannt, steige auf, beginne.
100 Watt. Eine Minute lang, bei 20, 40 und 60 Sekunden notiere ich die Herzfrequenz. Weiter gehts - 20 Watt drauf gepackt und wieder: 1:20 min, 1:40 min und 2:00 die Frequenzen notiert. So geht das fast 7 Minuten lang, bis ich nicht mehr kann. Immerhin stecken mir noch die fiesen Steigungen Japans und eine Nacht Brechdurchfall vorgestern in den Knochen.
Und was sehe ich, als ich die Daten auswerte? Meine Güte!
Wo meine Werte im letzten Jahr, vor allem in den unteren Leistungsbereichen waren, schlägt mein Herz nun im Schnitt knappe 10 Schläge ruhiger. Wow!
Selbst in den oberen Bereichen bin ich um die 5 Schläge unter den 2008er-Werten:
Und dann die Laktatschwelle. Die findet man dort, wo die lineare Kurve signifikant abknickt und von dort an flacher verläuft. Meine Laktatschwelle 2008 lag bei rund 169 Schlägen pro Minute. Heute, ich fasse es nicht, scheint sie bei 161 zu liegen. 8 Schläge, naja, runden wir mal, 10 Schläge besser? Wahnsinn!Siehste mal an, Senjor Conconi, was eine Canada-Tour, eine Japan-Tour und fleißige Trainingskilometer so alles bringen.
Nur eines, das finde ich nicht so gut - die Kurve knickt bei 160 Watt, nicht bei 180 Watt ab. Heißt das also, dass ich zwar mit weniger Aufwand die gleiche Leistung bringe, wie im letzten Jahr, aber nicht mehr so leistungsfähig bin? Na, das finden wir heraus!
Ich bin gespannt auf meinen zweiten Conconi, den ich für in 2 Wochen ansetze. Denn dann, so beschließe ich, werde ich einen neuen Trainingsplan ausgearbeitet und meine lähmende Post-Japan-Lethargie überwunden haben.
Lars ....
... constantly in transit.
0
Kommentare
13 Oktober 2009
Japan - los gehts!
So, Ihr Lieben. Los gehts, dachte ich mir, und habe schon einmal die ersten Beiden Etappen der vergangenen Japan-Tour online gestellt.
Wie schon bewährt beim Canada-Trip, vervollständige ich nach und nach die Tage, sodass es sich lohnt, immer mal wieder reinzuschauen. Also, ich freue mich über Euch, meine Leser. Vor allem jetzt zur Wintersaison, wo die wirklich aufregenden Liegerad-Touren eher spärlich gesät sind.
Aber keine Sorge, bald geht die Indoor-Trainingszeit wieder los, da habe ich einiges vorbereitet, und ein, zwei neue Projekte am Start, die bestimmt auch nicht uninteressant sind.
Also, viel Spaß - und los gehts:
Lars ....
... constantly in transit.
0
Kommentare

